Jugendschutzexperten diskutieren Internet-Chats: Nachholbedarf bei Eltern und Lehrern

Beim Thema Jugendschutz in neuen Medien gibt es gerade für Erwachsene hohen Aufklärungsbedarf. Viele Eltern und Pädagogen sind sich zwar der Gefahren der virtuellen Welt für Kinder und Jugendliche bewusst, wissen jedoch meist nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Das ist das zentrale Ergebnis der Online-Diskussion auf www.diskutiere.de. Zum Abschluss der Debatte diskutierten Jugendschutzexperten und Unternehmensvertreter das Thema am Dienstag in Berlin.

diskutiere_panel200810Teilnehmer der Abschlussveranstaltung zum Thema “Chats, Communities & Co. - Wie sicher sind Kinder und Jugendliche?” im Gebäude der Berliner DZ Bank waren Jürgen Ertelt, Projektkoordinator Jugend online bei der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., Markus Haas, Vice President Corporate & Legal Affairs und Datenschutzbeauftragter, Telefónica O2 Germany, Felix Petersen, Gründer der Community-Plattform www.plazes.com, und Ulrike Wagner vom Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF). Ein Großteil der Diskussion drehte sich um die Frage, wer für den Schutz der Kinder und Jugendlichen in Chats und Communities Sorge tragen soll.

Während Felix Petersen von www.plazes.com die Verantwortung nur in begrenztem Maße bei Betreibern von Foren und Internet-Plattformen sieht, waren sich seine Co-Redner einig, dass insbesondere jüngere Zielgruppen vor den Risiken im Netz geschützt werden müssen. Auch Lehrer seien hier verstärkt gefordert. Markus Haas von Telefónica O2 Germany sieht sich und sein Unternehmen mit in der Verantwortung: “Unternehmen sollten auf freiwilliger Basis alle Nutzergruppen über die technischen Entwicklungen und Risiken rechtzeitig aufklären - über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.” Die anwesenden Schüler sehen das Thema weitaus lockerer. Im Internet sei jeder gleich, die größte Gefahr die Zeitverschwendung, so der Tenor.

Grundlage des Berliner Panels bot die Online-Diskussion auf www.diskutiere.de, die vom 1. September  bis 10. Oktober lief. Insgesamt besuchten während dieser Zeit mehr als 1.500 Interessierte die Seite. Ergebnis hier war, dass viele Eltern es ungern sehen, wenn Kinder und Jugendliche an Chats und Communities teilnehmen. Die Gründe dafür sind meist diffus und speisen sich aus der Berichterstattung der Medien und eigenen Wissensdefiziten. Eltern seien nicht nur mit den neuen Medien überfordert und würden so ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht, sondern verursachten durch ihr hilfloses Verhalten selbst Probleme, so die jüngeren Teilnehmer auf www.diskutiere.de. Die Jugendlichen selbst sehen die virtuelle Welt vor allem als unerschöpfliche und günstige Informationsquelle. Negative Erfahrungen werden eher als Ausnahmeerscheinung wahrgenommen.