Das Internet ist zum selbstverständlichen Teil jugendlicher Lebenswelt geworden

An erster Stelle stehen dabei Möglichkeiten der Kommunikation in sozialen Netzwerken wie “StudiVZ”, “Lokalisten”, “Facebook” oder “Wer-Kennt-Wen”. Hier werden Kontakte geknüpft, private Öffentlichkeiten hergestellt und eine Menge an Datenspuren hinterlassen. Welche Risiken jedoch durch einen unreflektierten Umgang damit verbunden sind, ist vielen Jugendlichen nicht bekannt oder wird von ihnen ignoriert. Hier ist die Medienpädagogik auf verschiedenen Ebenen gefragt, junge Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium zu sensibilisieren.

Soziale Netzwerke als jugendkulturelles Phänomen

Die Selbstdarstellung junger Menschen innerhalb sozialer Netzwerke steht im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit dem Internet. Sie dient als Experimentierfeld zur Identitätsfindung und Selbsterzählung, in dem verschiedene kulturelle Ausdrucksmöglichkeiten, Symbole und Zeichen getauscht und damit bestimmte Gruppenzugehörigkeiten oder Abgrenzungen ermöglicht werden. Somit bieten die Netzwerke gegenwärtig einen wichtigen sozialen Raum, in dem sich junge Menschen erproben können, jugendkulturelle Erfahrungen sammeln und lernen, sich wichtige Schlüsselkompetenzen für die Zukunft anzueignen.

Risiken des unreflektierten Umgangs mit persönlichen Daten

Welcher Missbrauch mit persönlichen Daten, durch Formen des Online-Mobbings betrieben werden können, spüren Jugendliche erst dann, wenn es zu spät ist und die Daten bereits auf tausenden Rechnern Verbreitung gefunden haben. Potentielle Arbeitgeber vervollständigen die eingereichte Bewerbung mit privaten Informationen aus sozialen Netzwerken. Hierbei kann das aus Spaß eingestellte Partyfoto, die Zugehörigkeit zu vermeintlich lustigen Gruppen mit anzüglichen Titeln oder private Kommunikation mit Freunden zum direkten Bewerbungsausschluss führen. Fast drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen Internet-Nutzer haben laut der aktuellen JIM-Studie - Jugend, Information, (Multi-)Media 2008 inzwischen Erfahrungen mit sozialen Netzwerken gemacht und nahezu die Hälfte besucht diese täglich. Dabei haben drei Viertel der jugendlichen Nutzergruppe Informationen zu ihren Vorlieben oder Hobbys online gestellt, Bild- oder Fotomaterial von sich oder Freunden hochgeladen und bei mehr als 40 Prozent der Jugendlichen wird auch die eigene E-Mail einsehbar. Geburtsdatum, Hobbys, Lieblingsfach, Wohnort, Schule, gepaart mit Privatfotos und Filmen eröffnen hier eine beinahe vollständige Erfassung der persönlichen Identität.

Sensibilisierung junger Menschen als Aufgabe der Medienpädagogik

Es fehlt ein Bewusstsein vom Recht der informationellen Selbstbestimmung und eine kritische Auseinandersetzung mit den attraktiven Internetangeboten. Jugendliche sollten durch vielfältige medienpädagogische Maßnahmen und Projekte dazu befähigt werden, hinreichende Medienkompetenz und Verantwortung auszubilden, um soziale Netzwerke für sich möglichst gewinnbringend und ohne Risiken nutzen zu lernen.

Medienpädagogische Praxis

Das Projekt Jugend online stellt sich den Herausforderungen rund um das Thema des sensiblen Umgangs mit persönlichen Daten und stellt auf einer Fachtagung Ende April ein Methodenset für die Jugendarbeit vor. Hierin werden praktische Anwendungsbeispiele zu finden sein, um das Thema in Schule und Jugendarbeit mit Jugendlichen gemeinsam zu erörtern und sich spielerisch auseinanderzusetzen. Auch startet Jugend online im Juni 2009 eine bundesweite Jugendkampagne in Zusammenarbeit mit verschiedenen sozialen Netzwerken und bietet mit dem Jugendportal www.netzcheckers.de einen geschützten Lernraum, worin junge Menschen sich erproben können und selbstbestimmt einen sensiblen Umgang mit den eigenen Daten lernen.

Förderung von Medienkompetenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Förderung von Medienkompetenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird und verstärkt in Schule und Jugendhilfe strukturelle Angebote implementiert werden, um nachhaltig junge Menschen fit zu machen, die gebotenen Chancen der neuen Medien für sich zu nutzen und Risiken zu minimieren. Dabei sollten sowohl die Wirtschaft, Institutionen des Daten- und Verbraucherschutzes und die Politik gemeinsam Strategien entwickeln, junge Menschen besser auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.