Eine neue Balance im Verhältnis von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft mit jeweils veränderten Rollen und Aufgaben bei der Bearbeitung gesellschaftlicher Probleme im Sinne eines übergreifenden gemeinsamen Interesses am Gemeinwohl - vor diesem Hintergrund gewinnt das Engagement von Unternehmen im Gemeinwesen jenseits der traditionellen Spenden- und Sponsoring-Praxis eine weitreichende Bedeutung. Jedes Kooperationsprojekt vermittelt demnach tendenziell im Alltag verankerte praktische Erfahrungen der beteiligten Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen mit dieser neuen “Verantwortungsteilung”, ihren Möglichkeiten, Grenzen und ihren Gelingens-Bedingungen. Im Tun und praktischen Impulsen liegt damit einer der Schlüssel für die Verbreitung und Vertiefung Sozialer Kooperationen. Wichtige Aufgaben für die nächste Etappe sind aus meiner Sicht folgende:
Für gemeinnützige Organisationen steht bislang vor allem die Frage nach zusätzlichen finanziellen Ressourcen im Mittelpunkt. Dies bestimmt ihr Verhältnis zu den Unternehmen. Mehr und bessere Unternehmenskooperationen können hingegen nur erreicht werden, wenn die gemeinnützige “Seite” eigene Vorstellungen über fachlich fundierte Ziele und den Nutzen der Kooperation mit Unternehmen für die Gemeinwesenentwicklung entwickelt. Auf dieser Grundlage können die Unternehmen dann auch zu qualifizierteren Anstrengungen “herausgefordert” und die viel beschworene “gleiche Augenhöhe” hergestellt werden. Ansatzpunkte sind hier z.B.:
Bildung, Familie, Fachkräftemangel, Integration, sozialer Zusammenhalt - das Eigeninteresse von Unternehmen an Veränderung in diesen und anderen Bereichen ist groß, gesellschaftliches Engagement soll “einen Unterschied machen”. Selbst wenn oft noch ein Missverhältnis zwischen den Zielformulierungen und den tatsächlichen Investitionen von Unternehmen in Corporate Citizenship-Projekte zu beobachten ist - die Richtung ist dennoch klar: Neben den Nutzen für das Unternehmen tritt als mindestens ebenso wichtiges Kriterium der Beitrag zur gesellschaftlichen Problemlösung. Daraus folgt m.E. dreierlei:
Um Missverständnisse zu vermeiden: Erfolgreiche Kooperationsprojekte bauen in der Regel auf die fachlichen Leistungen der beteiligten Organisationen auf, die in vielen Fällen staatliche gefördert werden. Auch bei der Verbreitung erfolgreicher Innovationen wird in der Regel der Staat als Geldgeber und Garant von Qualität adressiert. Das hat Folgen für das Selbstverständnis und das Beziehungsgefüge der Kooperationspartner aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Staat.
Soziale Kooperationen brauchen gut vernetzte “Kümmerer”, Brückenbauer, Grenzgänger, Mittler - Protagonisten im Gemeinwesen mit langem Atem und konkreten Visionen, die lokal wie national einer der wichtigsten Katalysatoren für die Vertiefung und Verbreitung von Corporate Citizenship sind. Hier stehen m.E. folgende Aufgaben an:
Der derzeit wirkungsvollste Beitrag besteht m.E. darin, mit Hilfe der bestehenden Akteure und Strukturen die guten Erfahrungen mit der Marktplatz-Methode, mit Lokalen Aktionstagen, Patenprogrammen und Netzwerken zu multiplizieren. So können mit einfachen Mitteln überall dort, wo es noch keine nennenswerten Aktivitäten gibt, lokale Akteure aktiviert und praktische Erfahrungen mit neuen Sozialen Kooperationen vermittelt - und so eine breite Basis für die genannten Entwicklungsaufgaben geschaffen werden.