Digitale Integration als mehrdimensionaler Prozess

Seit der Erfindung des Rades erweitern technologische Innovationen die Handlungsmöglichkeiten der Menschen – auch derjenigen mit stärker eingeschränkten Möglichkeiten. So hat das Rad die Mobilität der Menschen rasant beschleunigt und zugleich diejenigen erst mobil gemacht, die sich mit dem Rollstuhl fortbewegen. Ein weiteres Beispiel dafür ist die SMS, die Hörbehinderten mobile Kommunikation ermöglicht.

Informations- und Kommunikationstechnologien sind in erster Linie eine Chance für Menschen mit Behinderungen, alters- sowie krankheitsbedingten Einschränkungen. Das gilt für Alltagsbewältigung - z. B. bequemes Shoppen und Online-Banking via Internet für mobilitätsbeeinträchtigte Personen - genauso wie für Ausbildung und Beruf. Bildschirmlesegeräte und Vergrößerungssoftware machen digitale Bildungsinhalte für Sehbehinderte zugänglich. Laptops mit speziellen Zugangstechnologien können die Teilhabe von Kindern, die auf Grund einer Behinderung nicht mit einem normalen Stift schreiben können, am regulären Schulunterricht ermöglichen. Auch im Berufsleben bieten Computer und Internet Menschen mit Behinderungen zahlreiche Perspektiven für berufliche Integration und die Führung eines selbst bestimmten Lebens.

Damit Menschen mit Behinderung von diesen Chancen auch wirklich profitieren, muss der Ausbau und die Verbreitung barrierefrei zugänglicher Informationstechnik vorangetrieben werden – ein permanenter, mehrdimensionaler Prozess im stetigen Wettlauf mit technologischen Weiterentwicklungen, die für Menschen mit Behinderungen möglicherweise wiederum neue Barrieren darstellen. Folgende Aspekte sind für diesen Prozess relevant:

  • ein barrierefrei zugängliches Internet: Internetseiten von Behörden des Bundes sind durch die BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) bereits seit Jahren verpflichtet, alle öffentlich zugänglichen Internetangebote barrierefrei zugänglich zu gestalten. Für private Webseiten-Betreiber hat die BITV bislang nur empfehlenden Charakter.
  • zugängliche Computerarbeitsplätze durch unterstützende Computertechnologien: Nahezu jeder Computerarbeitsplatz kann so angepasst werden, dass Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen ihn voll nutzen können. Häufig fehlt aber das Wissen über die Möglichkeiten. Nötig sind Informations-, Beratungs- und Schulungsangebote zu unterstützenden Computertechnologien für Betroffene, Arbeitgeber/innen und Fachpersonal.
  • eine inklusive Medienpädagogik: Die Chancen digitaler Medien für die berufliche und gesellschaftliche Integration von Menschen mit Behinderungen lassen sich nicht auf technische Zugänglichkeit reduzieren. Medien sind Werkzeuge, die auf kompetente, kreative und kritische Anwender/innen angewiesen sind. Es bedarf daher medienpädagogischer Angebote, die den kompetenten Umgang mit neuen Medien vermitteln und die für Menschen mit und ohne Behinderungen gleichermaßen zugänglich sind.

Kurz gesagt: die moderne Telekommunikation kann die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sehr erleichtern, wenn Barrierefreiheit und digitale Integration selbstverständlich umgesetzt werden. Als gesamtgesellschaftliche Aufgabe kann dies nur durch das Zusammenwirken von privaten, staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen, Unternehmen der Wirtschaft und der Dienstleistung, Medien, Vereinen und Verbänden, Parteien und Nichtregierungsorganisationen sowie Bürgerinnen und Bürgern bewältigt werden.

Eine Plattform dafür bietet die von der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH, Cisco Systems GmbH, IBM Deutschland GmbH und Siemens AG initiierte Stiftung “barrierefrei kommunizieren!” (rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts). Deren Ziel ist es, die chancengleiche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an der Kommunikations- und Wissensgesellschaft voranzutreiben, entsprechende Handlungsstrategien umzusetzen sowie öffentliches, wirtschaftliches und zivilgesellschaftliches Engagement zu bündeln.