Mobile Kids aus Sicht der Medienpädagogik

Bei der medienpädagogischen Betrachtung der Fragestellung sind das Alter der Kinder als zentraler Faktor zu berücksichtigen. Wie alle Medien muss das Handy auch in Bildungsprozessen thematisiert werden. Familien, pädagogischen Institutionen und der Medienmarkt sind wichtige Akteure im Bereich der Medienpädagogik. Gerade beim Thema Handy, das in unserer Gesellschaft überall präsent ist und dem Kinder von früh an begegnen, ist eine umfassende pädagogische Thematisierung von großer Bedeutung.

Eine Frage des Alters

Im Laufe ihrer Entwicklung erobern sich Kinder das gesamte Medienensemble und erweitern ihre Handlungsmöglichkeiten mit Medien. Das Handy als multifunktionales Medium spielt dabei eine immer wichtigere Rolle und ist somit aus dem Alltag von Kindern nicht weg zu denken. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Kinder bereits im Kindergartenalter ein eigenes Handy benötigen.

Das Handy als Kommunikationsgerät wird dann zentral, wenn Kinder ihren Aktionsradius über das vertraute häusliche und schulische Umfeld hinaus vergrößern. Für die Ausstattung der Kinder mit Handys spielt hier meist der Wunsch der Eltern, ihre Kinder immer und überall erreichen zu können, eine zentrale Rolle.

Als Kommunikationsmittel, um die Freizeit eigenständig zu organisieren, wird das Handy erst ab der Pubertät wichtig, als Statussymbol hat es bereits früher Bedeutung. Wie alle Medien muss das Handy auch in Bildungsprozessen thematisiert werden.

Medienbezogene Bildungsprozesse

Leitziel medienbezogener Bildungsprozesse ist die Ausbildung von Medienkompetenz, deren Förderung kontinuierlich anzustreben ist. Im Hinblick auf die Altersgruppe der Kinder sind zielgruppenspezifische und altersadäquat gestaltete Lernprozesse von besonderer Bedeutung.

Auf der Basis des entdeckenden Lernens und eingebunden in alltagsrelevante Kontexte gilt es, die Kinder anzuregen, die Medien und Techniken gesellschaftlicher Kommunikation zu begreifen, zu nutzen und sie selbst bestimmt und kreativ zu gestalten.

Neben der kreativen Nutzung sollen ihnen Medien als Mittel kommunikativen Handelns nahe gebracht und Reflexionsmöglichkeiten über Medien und Medieninhalte geschaffen werden. Dies geschieht im Wechselspiel von gezielter Förderung und selbsttätiger Kompetenzerweiterung in Bildungsprozessen durch, über und mit Medien.

Aufgaben der Medienpädagogik

Medienpädagogik, die Kinder im Blick hat, richtet sich in den frühen Lebensjahren primär an die Bezugsgruppen, die die Kinder auf ihrem Weg zu einem eigenständigen Medienleben begleiten oder sie begleiten sollten. Die Kinder selbst werden erst dann zu einer Zielgruppe der Medienpädagogik, wenn sie eigenständige Erwartungen an die Medien richten.

Die zentrale und über das gesamte Altersstadium hinweg relevante Anlaufstelle ist die Familie, vorrangig die Eltern. Neben der Kontrolle der Medienkontakte und der Vermeidung von Überforderung ist es ihre Aufgabe, die Kinder anzuregen, diejenigen Potenziale der Medienwelt zu entdecken, von denen sie profitieren können - ein Ideal, das in vielen Familien nicht realisiert werden kann, weil die Eltern selbst sich diese Potenziale nicht erschließen können.

Weitere wichtige Anlaufstellen sind die pädagogischen Institutionen, angefangen vom Kindergarten bis hin zu Schule und außerschulischen Einrichtungen. Sie können auf die Entwicklung und Bildung der Kinder und im Idealfall auch auf die elterlichen Erziehungskonzepte Einfluss nehmen.

Neben den pädagogischen Bezugspersonen hat der Medienmarkt eine besondere Verantwortung. Da Kinder auch aus und im Umgehen mit Medien “lernen”, ist der Medienmarkt gefordert, Angebote an sie heranzutragen, die die Ausformung von Medienkompetenz und darüber hinaus die Entwicklung von Weltverständnis und Sozialkompetenz unterstützen. Voraussetzung dafür sind altersangemessene Inhalte, Darstellungsformen und Handlungsangebote.

Herausforderung Handy

Gerade beim Thema Handy, das in unserer Gesellschaft überall präsent ist und dem Kinder von früh an begegnen, ist eine umfassende pädagogische Thematisierung von großer Bedeutung. Das Handy als Kommunikationswerkzeug birgt viele Potenziale, aber auch Gefahren im Hinblick auf Kosten und problematische Inhalte.

Pädagogische Institutionen und Eltern müssen dieses Gerät medienerzieherisch in den Blick nehmen, Unternehmen müssen sich der Herausforderung stellen, dem Jugendmedienschutz gerecht zu werden. Ihr zentrales Anliegen sollte es sein medienbezogene Bildungsprozesse zu unterstützen, darüber hinaus müssen sie sicherstellen, dass Kinder nicht mit problematischen oder gar gefährdenden Inhalten konfrontiert werden.

Ein Kinderhandy kann hier sicher eine Lösung sein, wird allerdings vor allem Eltern ansprechen, die von vornherein sehr sensibel im Hinblick auf den Medienumgang ihrer Kinder sind. Problematisch ist ein Kinderhandy dann, wenn es unter dem Vorwand durch Ortungsmechanismen Kinder zu schützen, Eltern dazu anregt, Kinder immer früher mit diesem Gerät auszustatten und Firmen von ihrer umfassenden gesellschaftlichen und pädagogischen Verantwortung entbindet.