Nutzung des Computers für selbstbestimmt forschenden Schriftspracherwerb bei Kindergarten- und Grundschulkindern sowie bei Analphabeten

Statement für eine Nutzung des Computers im Kindergarten- und Grundschulater

Auf der Basis unserer langjährigen Forschungen und praktischen Erfahrungen mit Kindern, Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen befürworte ich die Nutzung des Computers bereits im Kindergarten- und Grundschulalter als Schreibwerkzeug (inklusive E-Mail), allerdings zum selbstbestimmten Schreiben. Der Nutzung von Lernsoftware zum Schriftspracherwerb und zum Deutschunterricht stehe ich kritisch gegenüber. Zwar bietet Multimedia einzigartige Möglichkeiten für innovative Didaktik, aber die meiste Software nutzt diese nicht auf lernförderliche Weise.

Ein wissenschaftlich fundiertes und evaluiertes Projekt zur Sprachförderung im Kindergarten

Mit großem Erfolg haben wir im Auftrag von Microsoft Deutschland die bundesweite Kindergarten-Bildungsinitiative “Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache” pädagogisch gestaltet und wissenschaftlich ausgewertet. Nach nur sechs Monaten haben viele der an der Studie beteiligten rund 4.000 Kinder durch freies Spiel mit der von uns entwickelten Schlaumäuse-Software ihre sprachlichen Fähigkeiten erheblich verbessert, bis hin zum lautorientierten Schreiben eigener Mitteilungen oder Geschichten und bis hin zum Entziffern interessierender fremder Texte. Viele Migrationskinder haben den Einstieg in die deutsche Sprache geschafft. Die Ergebnisse sind in einer Kurzfassung (www.clw.tu-berlin.de/uploads/media/Projektbegleitungfinal.pdf) und einer Langfassung (www.clw.tu-berlin.de/uploads/media/Abschlussberichtfinal_lang.pdf) unseres Berichts nachzulesen.

Anforderungen an Lernsoftware zum selbstständigen Lernen

Indem Multimedia die Möglichkeit zur Überwindung der Flüchtigkeit gesprochener Sprache und zur Überwindung der Stummheit der Schrift bietet, eignet sich das Medium auf einzigartige Weise zur didaktischen Gestaltung digitaler Lernumgebungen für das selbstbestimmt forschende Lernen im Rahmen mündlicher und schriftlicher Sprachbildung. Die Software sollte zum selbstbestimmten Erforschen des Lernstoffs in “Ich-will”-Situationen herausfordern und selbsterklärend sein. Sie sollte sich zur Zusammenarbeit mehrerer Kinder eignen. Sie sollte digitale Forscherwerkzeuge bereitstellen und auf Fehler so reagieren, dass das auch in Fehlern oft verborgene richtige Denken der Kinder gewürdigt wird und dass den Kindern zum Weiterforschen und - denken verholfen wird. Das Anforderungsniveau sollte durch die Kinder individualisiert werden, so dass jedes Kind von seinem Ausgangsniveau her Lernfortschritte macht, ohne dass die Kinder vom Betreuer in Niveaugruppen eingeteilt werden. Das mag sich wie “Zauberei” anhören. Aber diese und weitere lernförderliche didaktische Prinzipien entfaltenden Lernens haben wir -  zusammen mit Scheimann&Team, München - in folgender Software realisiert: “LolliPop Multimedia Deutsch, Lernwelt, Kl. 1-4″ und “Lolli, Pop und die Schlaumäuse” (jeweils Cornelsen Verlag). Die didaktische Qualität der Software wurde mehrfach ausgezeichnet (u.a. digita, Comeniusmedaille und Goldene Gigamaus).