Thesen zur Kooperation

Meine Thesen betonen dasjenige, was nach meiner Auffassung das Grundsätzliche für alle drei Sektoren darstellt: (1) (Sektorübergreifende) Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft ist eine der wichtigsten Zukunftsressourcen unserer Gesellschaft. (2) Kooperation lernt man nur durch Kooperation. Die Anleitung zur Kooperation ist eine “Komplementärkompetenz” zu Führung. (3) Wir benötigen eine intensive Debatte zur Frage, wie sich das Verhältnis von monetärem zu nichtmonetärem Engagement in unserer Gesellschaft darstellt.

A) Ich bin der festen Überzeugung, dass die Thematik der sektorübergreifenden Kooperation eine der wesentlichen Bestandteile zur Erlangung von Zukunftsfähigkeit für unsere Gesellschaft darstellt. Alle wesentlichen Herausforderungen, die wir zu meistern haben, sind nur durch kooperative Verfahren zu bewältigen, weil jeder einzelne Sektor für sich genommen wegen der allgemeinen Komplexität damit überfordert ist. Kooperation ist deshalb wichtig, weil sie ermöglicht herauszubekommen, was einvernehmlich relevant ist für gesellschaftliche Entwicklung. Sie führt uns weg von einer Herangehensweise, die - gewissermaßen vormundschaftlich – einseitig Zielsetzungen definiert.

B) Für alle drei Sektoren gilt zweierlei. Zum einen – und das ist die größte Herausforderung – sollten sich alle gesellschaftlichen Akteure darüber im Klaren sein, dass man Kooperation nur in der Kooperation lernen kann. Wir müssen also nach Wegen Ausschau halten, bei denen man nicht nur über die neue Zusammenarbeit redet, sondern Theorie und Praxis miteinander in einer Weise verzahnt werden, auf das im Tun ein neues sowie reflektiertes Verständnis für erfolgversprechenderes Handeln erwächst. Mittlerorganisationen und “Grenzgängern” in Organisationen jeder Provenienz können dabei eine wichtige Rolle übernehmen, denn der in kooperativen Prozessen Führende darf den Prozess nicht streng vorgeben, sondern muss ihn sowohl moderieren als auch anleiten. Auf diese Weise wird diese moderierende Kompetenz zu einer Komplementärkompetenz von “leadership” – zur “leadership beyond authority” (Kate Middleton von “common purpose”).

C) Zum anderen benötigen wir einen gesellschaftlichen Diskurs über die Frage des Verhältnisses von monetärem zu nicht-monetärem Engagement. Die Fragestellung lautet: Welche Stellung hat der Transfer von Geld gegenüber der Initiierung von nicht-monetärer Zusammenarbeit in Projekten? Pointiert gesagt liegt gegenwärtig folgender Sachverhalt vor: Spenden und Sponsoring werden in unserer Gesellschaft als Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Themen überschätzt und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit über Know how-Transfer, der Mitarbeit von Freiwilligen und der Unterstützung durch Sachleistungen werden unterbewertet. Wir müssen weit mehr in das Nicht-Monetäre investieren, in Know how und Projektmanagement, kurz: in die Wirkungsorientierung. Hier können Unternehmen mit ihrem Aktivposten eine bedeutsame Rolle übernehmen.