Welches sind die wichtigsten Aufgaben bei der Verbreitung erfolgreicher sozialer Kooperationen zwischen Unternehmen, Gemeinnützigen und öffentlichen Verwaltungen in Deutschland?

Vor welchem Hintergrund bekommt diese Frage gesellschaftliche Relevanz?

Auf nationaler wie internationaler Ebene werden solidaritäts- und integrationsgefährdende Prozesse wahrgenommen, die unsere Gesellschaft auseinander treiben. Als Ursachen hierfür werden Globalisierung und Individualisierung, die weitere Öffnung der Schere zwischen arm und reich und ihre Folgen für Arbeitsmarkt, Familie, Bildung und Gesundheit, die mit der strukturellen Finanzschwäche öffentlicher Haushalte einhergehende Zurückführung staatlicher Steuerungskapazitäten sowie die mit steigender Komplexität und Pluralität gesellschaftlicher Lebensverhältnisse sich verkomplizierende Lebensplanung für den Einzelnen und nicht zuletzt die demografische Entwicklung identifiziert. Daraus resultieren Überforderung und Orientierungslosigkeit sowie die Auflösung traditioneller Bindekräfte, denen die Gesellschaft keine neuen normativen Orientierungen entgegenzusetzen weiß.

Vor diesem Hintergrund verlieren klassischer Steuerungsstrategien zunehmend an Wirkung. Gefragt sind neue Modelle kooperativer Problemlösung und Gestaltung von Gesellschaft, in denen nicht allein staatliche Akteure Gemeinwohlverantwortung tragen, sondern sie gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen auf diskursivem Wege nach Lösungen suchen. Diese Logik beginnt allmählich einzudringen in das Selbstverständnis von Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft. Um neue Formen der Kooperation und Partnerschaft erfolgreich zu gestalten, müssen sich alle drei Sektoren neuen Aufgaben und Herausforderungen stellen.

Gemeinnützige Organisationen/Zivilgesellschaft

Bisher traten gemeinnützigen Organisationen gegenüber Wirtschaftsunternehmen vorwiegende in der Rolle des „Bittstellers“ auf. Nur bei einer Begegnung auf Augenhöhe ist jedoch eine erfolgreiche Kooperationen mit Unternehmen möglich, in der nicht nur einseitig Ressourcen von Unternehmen in Richtung Gemeinnützige fließen. Gerade in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise können Gemeinnützige das in sie gesetzte Vertrauen (in allen Umfragen werden gemeinnützige Organisationen als die vertrauenswürdigsten gesellschaftlichen Instanzen, weit vor Politik und Unternehmen eingestuft) als großes Kapital in Partnerschaften einbringen. Ihre Reputation werden Unternehmen in Zukunft verstärkt für ihre eigene Vertrauensgewinnung benötigen. Von daher ist es angebracht, sich als selbstbewusster und unabhängiger zivilgesellschaftlicher Partner zu präsentieren.

Öffentliche Verwaltungen (Bund, Länder, Kommunen)

Politik und Verwaltung haben ein verstärktes Interesse an gesellschaftlichem Engagement von Unternehmen und neuen Formen mehrsektoraler Kooperation und Partnerschaft auf allen föderalen Ebenen. Es wächst die Einsicht, dass keine der großen gesellschaftlichen Fragen allein durch staatliche Maßnahmen, Programme und Steuerung gelöst werden können. So halten Unternehmen spezifisches Know How und Ressourcen vor, die bspw. für Herausforderungen der Integration (Diversity Management), der Umgestaltung des Bildungssystems (Kooperationspartner Schule – Wirtschaft) oder der Gestaltung des demographischen Wandels relevant sind. Daneben sind sie als neuer Träger für bürgerschaftliches Engagement (Corporate Volunteering), Kofinanzierer kultureller, sozialer, infrastruktureller Leistungen (Bündnisse für Familie, Mehrgenerationenhäuser, Marktplätze, Aktionstage) ein unverzichtbarer Partner für Staat und Zivilgesellschaft.

Da seitens der Unternehmen das Verständnis von Zivilgesellschaft als gesellschaftlicher Sphäre und ernst zu nehmender Partner noch sehr unscharf ist, stellt sich für Politik und Verwaltung die wichtige Aufgabe hier moderierend zwischen den Sektoren tätig zu werden und die gesellschaftliche Relevanz des Dritten Sektors deutlich zu machen.

Unternehmen

Über die Vorstellung von Zivilgesellschaft als Ansammlung von Stakeholdern hinaus, bestehen vielfältige Erfahrungen der Unternehmen in der Kooperation mit einzelnen gemeinnützigen Organisationen. Es wird durchaus wahrgenommen, welches Ausmaß und welche gesellschaftliche Relevanz bürgerschaftliches Engagement in Deutschland besitzt. Eine weitere Zunahme sowohl dieses Engagements als auch der Kooperation von Wirtschaftsunternehmen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einrichtungen werden erwartet und begrüßt (vgl. Ergebnisse der CCCD-Studie “Topmanagement in gesellschaftlicher Verantwortung”).

Vor diesem Hintergrund müssen sich Unternehmen vermehrt für Corporate Citizenship öffnen, vor allem Corporate-Volunteering in Kooperation mit Gemeinnützigen anbieten und ernsthafte Multi-Stakeholder-Dialoge führen.

Grundlage mehrsektoraler Partnerschaften: Verstehen und Anerkennen anderer gesellschaftlicher Sphären

Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und mehrsektorale Partnerschaften gilt es im Lichte einer neuen Verantwortungsbalance zu überdenken. Entscheidend ist ein radikaler Perspektivenwechsel der Akteure aller drei Sektoren. Eine neue gesellschaftliche Verantwortungsbalance wird es nur dann geben können, wenn sowohl Staat als auch Wirtschaft und Zivilgesellschaft bereit und in der Lage sind, die Perspektive der jeweils anderen Sphären einzunehmen, ihre Eigenlogik zu verstehen und anzuerkennen. Keine Sphäre darf dabei ihr Selbstverständnis und ihre handlungsleitenden Prinzipien zum alleingültigen Maßstab erheben. Vielmehr ist es erforderlich, die legitimen Ansprüche jeder Sphäre diskursiv zu prüfen und eigene Interessen mit Blick auf das Wohl der Gesamtgesellschaft zu relativieren.

Rolle gemeinnütziger Mittlerorganisationen

Bisher galt der Staat als Gemeinwohlgarant schlechthin. In dem Maße, wie Gemeinwohlverantwortung auf die Schultern verschiedener gesellschaftlicher Akteure und Organisationen verteilt wird, kommt Aufgaben der Moderation, Mediation und Vermittlung ein besonderer Stellenwert zu. Diese Aufgaben können sowohl staatlicherseits, aber auch durch professionalisierte Mittlerorganisationen wahrgenommen werden. Gerade diese Funktion können professionelle gemeinnützige Mittlerorganisationen besonders gut erfüllen, da sie als intermediäre Instanzen zwischen Staat und Wirtschaft agieren.

Links

Heuberger, F. W.: “Topmanagement in gesellschaftlicher Verantwortung”, herausgegeben CCCD e.V., abzurufen unter www.cccdeutschland.org