Aufwachsen in vernetzten Medienwelten

Digitale Klüfte im Umgang mit Medien überwinden – Potenziale im Medienhandeln von Jugendlichen aufzeigen
“Man muss mit Computer und Internet umgehen können, sonst ist man dumm.” Das Zitat dieses 15-jährigen Hauptschülers bringt auf den Punkt, wie viele Jugendliche heutzutage über die Medienwelt denken: Insbesondere Computer und Internet sind selbstverständlicher Bestandteil ihres alltäglichen Medienhandelns und für viele ist klar, dass es für die spätere Berufsfindung wichtig ist, sich mit diesen Medien gut auszukennen. Für Heranwachsende aus bildungsbenachteiligten Milieus bleibt es jedoch in vielen Fällen eine Wunschvorstellung, sich in der Medienwelt sehr gut auszukennen und im Medienumgang entwickelte Fertigkeiten und Fähigkeiten in der Folge auch für ihre berufliche Zukunft nutzbar zu machen. Aus medienpädagogischer Perspektive gilt es, erstens den Blick auf jene Bereiche zu richten, in denen Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Milieus Unterstützung benötigen,  um ihre Lebens- und Berufsperspektiven entwickeln zu können. Zweitens sind jene Potenziale im Medienhandeln zu identifizieren, die für eine selbstbestimmte Lebensführung nutzbar gemacht werden können.

Im Medienhandeln können Verstärkungsfaktoren für Benachteiligung liegen
Wachsen Jugendliche in benachteiligenden Strukturen auf, hat dies nicht nur Einfluss auf die weitere Lebensplanung, diese Strukturen nehmen auch Einfluss auf die Art und Weise, wie und warum Medien in Gebrauch genommen werden. Das Medienhandeln kann dabei vorhandene Problemlagen verstärken. Hinweise darauf werden z.B. dort ersichtlich, wo Jungen wie Mädchen aus problembelasteten sozialen Kontexten mit ihren aktuellen handlungsleitenden Themen in klischeebesetzten Medienwelten ‚heimisch’ werden und diese zu wichtigen Orientierungsquellen werden.

Im Gebrauch von Computer und Internet gehen bildungsbenachteiligte Heranwachsende zunächst auf das zu, was in ihrem unmittelbaren Nahbereich liegt: Sie lassen sich dabei vor allem von ihrem direkten sozialen Umfeld oder von vorstrukturierten Medienangeboten leiten, die leicht zu bedienen sind. Diese Jugendlichen können darüber hinaus die Fähigkeiten für einen souveränen Umgang mit den medialen Informationswelten teilweise nicht in ausreichendem Maße ausbilden. Die rechtlichen Hintergründe bei der kreativen Nutzung von Medien zu durchblicken oder eine kritische Distanz zu vorurteilsbehafteten Welt- und Menschenbildern in (Boulevard-)Medien zu entwickeln stellt sie in einem größeren Ausmaß vor Herausforderungen  als dies Jugendlichen aus bildungsbevorzugten Milieus der Fall ist.

Eine ressourcenorientierte Perspektive öffnet den Blick auf die Potenziale im Medienhandeln
Im Medienumgang liegen aber auch Ressourcen für eine selbstbestimmte Lebensführung. Dreh- und Angelpunkt, um diese Ressourcen zu befördern, ist die Peergroup: Sich untereinander Unterstützung zu geben oder Feedback zu bekommen bietet einen wichtigen Ansatzpunkt für Jugendliche, um sich gemeinschaftlich Fähigkeiten zu erarbeiten und die eigene Medienkompetenz Stück für Stück zu erweitern. Derartige Gruppenprozesse bieten die Chance, diese Fähigkeiten und Kompetenzen sowohl bezogen auf das eigene, nahe Umfeld zu nutzen als auch um im weiteren Kreis der Sozialwelt zu partizipieren. Diese Prozesse müssen aber auch professionell pädagogisch begleitet werden, um Impulse für die Arbeit und eine anschließende Reflexion zu geben. Die Web 2.0-Werkstätten des JFF sind ein Weg, um diese Potenziale zu erschließen. Der Ansatz, Handlungspraxen von Jugendlichen aufzugreifen und ausgehend von der eigenen aktiven Arbeit mit Medien Anregungen zu geben, erweist sich als erfolgversprechend und äußerst attraktiv gerade für die Zielgruppe benachteiligte Heranwachsende.

Zum Weiterlesen:
www.jff.de/medienhandeln_in_hauptschulmilieus
www.jff.de/web2.0-werkstaetten