Auzubildende 2.0: Die ungenutzten Kompetenzen

Die Fähigkeit zum Umgang mit Sozialen Netzwerken gehört heute  zu den selbstverständlichen Qualifikationen Jugendlicher und junger Erwachsender. Die digitale “Heimat” bei Jappy, Facebook, SchülerVZ und Co. scheint natürlicher Bestandteil des Lebens junger Erwachsener geworden zu sein - das ist die eine Seite.

Andererseits scheint die kritische Auseinandersetzung mit Web 2.0-Anwendungen den technischen Fähigkeiten weit hinterher zu hinken: Trotz regelmäßiger Berichterstattung über die Gefahren, die mit der Nutzung von Sozialen Netzwerken verbunden sind, ist der Umgang mit ihnen bei vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer noch sträflich naiv, insbesondere was den Schutz persönlicher Daten angeht.

Über die Eltern und die Schulen hinaus tragen auch Unternehmen ihren Teil an Verantwortung dafür, Auszubildende so zu qualifizieren, dass die modernen digitalen Medien zu sinnvollen Werkzeugen werden. Und die Unternehmen können davon profitieren.

Sozialarbeit 2.0: Ein Modellprojekt
Der Paritätische Wohlfahrtsverband  plant seit Jahresbeginn 2010 ein eigenes Soziales Netzwerk als Kommunikationsplattform für seine 10.000 Organisationen, seine haupt- und ehrenamtlich Tätigen aus allen Βereichen der Sozialen Arbeit. Schon in der Vorplanung des Projektes wurde davon ausgegangen, dass einige der notwendigen Kernkompetenzen bei der Entwicklung einer solchen Plattform insbesondere bei den Auszubildenden des Verbandes liegen und sie über die Beteiligung an diesem Projekt ihrerseits die eigene Medienkompetenz systematisch erweitern.

Deswegen besteht die vier Personen umfassende Steuerungsgruppe dieses Projektes seit dem ersten Tag  aus zwei Auszubildenden und zwei Mitarbeitern des Verbandes - eine Zusammensetzung, die sich nach erstem Erstaunen Dritter als zielführend erwiesen hat.

Die Auszubildenden sind insbesondere mit den Aufgaben betraut, die die notwendigen Funktionen sowie den Datenschutz beschreiben, der in der sozialen Arbeit naturgemäß einen besonders hohen Stellenwert einnimmt.

Was die grundlegenden Anforderungen an das Netzwerk angeht, zeigte sich sehr schnell, dass die Auszubildenden durch ihre “privat” erworbenen Kenntnisse über Facebook, SchülerVZ und Jappy schnell und effektiv alle Funktionen, die von einem modernen sozialen Netzwerk erwartet werden, definieren und in eine Anforderungsbeschreibung übersetzen konnten.

Was den Bereich des Datenschutzes anging, wurde durch die Auswertung, den Vergleich und die Bewertung der vorhandenen Datenschutzbestimmungen gängiger Netzwerke deutlich, wo kritische bis problematische Bestimmungen der verschiedenen Netzwerke liegen.

Der Projektverlauf macht immer wieder klar, dass die Entscheidung, die natürlichen Qualifikationen der Auszubildenden im Umgang mit sozialen Netzwerken ernsthaft einzubinden, für alle Beteiligten vorteilhaft ist.

Die Auszubildenden sind besonders engagiert in einem Projekt, das ihre “Welt” zum Inhalt hat. Sie fördern das Projekt zielgerichtet und verhindern für den Verband Fehlentwicklungen, die zeitraubende Nacharbeiten und finanzielle Nachteile zur Folge gehabt hätten, schlicht deswegen, weil Sie die Qualifikation dazu bereits im Alltag erworben hatten

Auf der anderen Seite erhöht der Verband die Medienkompetenz seiner Auszubildenden nahezu “on the fly”.

Die aus der besonderen Zusammensetzung der Steuerungsgruppe dieses Projektes gewonnenen Erfahrungen - auf beiden Seiten - werden auch künftig in die Ausbildung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband einfließen.