Die Diskussion ist abgeschlossen

Erwachsen werden 2.0: Wie verändert die vernetzte Welt die Lebens- und Berufsperspektiven junger Menschen?

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Ein kompetenter und selbstbewusster Umgang mit neuen Medien ist heute von entscheidender Bedeutung im Hinblick auf Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe. Auch das soziale Leben junger Menschen findet oft online statt.

So nutzen beispielsweise 70% der 12 bis 24-Jährigen mehrmals wöchentlich Social Networks wie Facebook oder SchülerVZ. Sie bieten jungen Menschen einen Raum, in dem sie sich erproben, neue jugendkulturelle Erfahrungen sammeln, lernen, und sich Schlüsselkompetenzen für die Zukunft aneignen.

Dennoch ist die (selbst-)bewusste Nutzung neuer Medien für viele Jugendlichen - häufig in Abhängigkeit vom Bildungsniveau oder sozialem Umfeld - keine Selbstverständlichkeit. Oft werden Inhalte nur konsumiert und die Möglichkeit sich zu artikulieren oder aktiv an Diskussionen zu beteiligen selten genutzt. Einen kritischen Umgang mit Informationen im Netz, das Bilden von Regeln und Werten in einem digitalen Raum (”darf ich im Netz alles sagen?”), die Balance zwischen Mediennutzung, Schule und der Teilnahme am gesellschaftlichen Geschehen im “echten” Leben sind weitere Aspekte, die in der Diskussion um Chancen und Herausforderungen Neuer Medien eine Rolle spielen.

O2 möchte mit Ihnen diskutieren:

  • Was sind die Herausforderungen und Schwierigkeiten beim Übergang ins Erwachsenenleben - speziell im Hinblick auf die Chancen und Risiken neuer Medien? Wie beeinflussen neue Medien das Sozialverhalten, die Wissensbildung und die Berufschancen?
  • Was ist die Rolle von Unternehmen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen? Haben Unternehmen eine Verantwortung für die Job- und Lebensperspektiven von Jugendlichen über die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen hinaus? Wie können sie dieser gerecht werden? Und wie müssen Politik, Zivilgesellschaft und Unternehmen zusammenarbeiten?
  • Mit dem Programm Think Big möchte O2 die Stärken von Jugendlichen systematisch fördern und sie ermutigen, sich durch die kreative Nutzung neuer Medien Lebens- und Jobperspektiven zu eröffnen. Ist Think Big der richtige Weg, um der Verantwortung als Telekommunikationsunternehmen gerecht zu werden (Kurzzusammenfassung Think Big)?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Expertenbeiträge, weiterführendes Material, interessante Links und eine kurze Umfrage finden Sie in der rechten Spalte.

» Abschlussdiskussion in Berlin am 19. Januar 2011

» Kurzauswertung der Ergebnisse der Online-Diskussion (PDF; 250KB)

» Zusammenfassung der Ergebnisse der Abschlussveranstaltung (PDF; 242KB)

Diskussion ist beendet – insgesamt 17 Beiträge:

  1. Barbara schrieb:

    In der Diskussion über den Einfluss neuer Medien auf Lebens- und Berufschancen von Jugendlichen lohnt sich auch ein Blick in die aktuelle JIM-Studie (http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf09/JIM-Studie2009.pdf), die den Medienumgang von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren untersucht. 90 Prozent der Jugendlichen nutzen das Internet täglich oder mehrmals die Woche. 1998 lag dieser Wert bei gerade einmal 18 Prozent! Angesichts dieser rasanten Verbreitung einer neuen Technologie verwundert es nicht, dass die Verbreitung der Kompetenz im Umgang mit dem neuen Medium „hinterherhinkt“. Vor allem bei der Nutzung von Social-Networks wird deutlich, dass (nicht nur) Jugendliche davon fasziniert sind, sich über diese Plattform mit Freunden und Bekannten zu vernetzten und sich selbst zu präsentieren. Gedanken an Datenschutz und Persönlichkeitsrechte treten da meist in den Hintergrund. Hier ist es vor allem wichtig, Aufklärung zu leisten und Jugendliche zu einem sensiblen Umgang mit persönlichen Daten zu raten.

    Für die Schule und Ausbildung nutzen etwa die Hälfte der befragten Jugendlichen Computer und Internet zu Hause. Auffällig ist jedoch, dass das praktische Arbeiten mit dem Computer in der Schule deutlich seltener stattfindet. Für nur 16 Prozent der Jugendlichen gehört der Computer zum Schulalltag, nur etwa die Hälfte davon nutzen ihn um Referate oder Präsentationen zu erstellen. Hier muss sich meiner Meinung nach einiges ändern. Jugendliche müssen in der Schule für den Umgang mit dem Internet sensibilisiert werden. Gerade in Form von Referaten können Jugendliche lernen, zu einem spezifischen Thema Informationen zu suchen und aufzubereiten. Wichtig ist vor allem, zu lernen, diese Informationen zu sortieren, sie einzuordnen und zu hinterfragen. Für viele Berufe ist der souveräne Umgang mit Computer und Internet zentral. Der Grundstein dafür sollte in der Schule gelegt werden.

    Die Schule kann und soll diese Aufgabe natürlich nicht alleine leisten. Vorstellbar sind beispielsweise Kooperationen mit Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche, die beispielsweise an einem Praxistag ihre Expertise zur Verfügung stellen und praktische Fragen im Unterricht beantworten könnten. Spannend wäre es für die Jugendlichen sicher auch, technologische Fragen zu behandeln. Denn das Verständnis dafür hält sich bei vielen Usern stark in Grenzen. Natürlich sind auch die Eltern gefragt. Besonders interessant fand ich, dass die Jugendlichen in der Talkrunde zu „Respekt im Netz“ vorgeschlagen haben, dass Eltern selbst Kurse über den Umgang und das Verhalten im Internet besuchen sollten. Hier wird deutlich, dass Eltern ihren Kindern zwar die Geräte zur Verfügung stellen (75 Prozent der Jugendlichen haben einen eigenen Computer), ihnen aber häufig nicht zeigen (können), wie man damit umgeht.

    Datum: 14. November 2010 – 13:12 Uhr -
  2. Rüdiger Lang schrieb:

    Ich möchte auf einen Satz von Kathrin eingehen. Sie schrieb: „Für viele junge Menschen, wie auch für mich, ist das Internet nahezu zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags geworden“.

    Das geht ja nicht nur den jungen Menschen so, sondern selbst mir, einem Mitglied des dritten Lebensabschnitts. Mit einem markanten Unterschied: ich bin dem Internet gegenüber sehr skeptisch, um nicht zu sagen äußerst zurückhaltend, mit der Preisgabe meiner Daten.

    Warum? Weil ich das Internet nicht überblicke. Deshalb frage ich mich immer, warum junge Menschen so viel offener mit ihren Daten im Internet umgehen? Würden sie mir ebenso viel über sich verraten, wenn sie mir gegenüber ständen? Ich bin sicher, dass sie das nicht tun würden. Denn sie sehen meine Gestik, meine Mimik und können aus meinem Verhalten schlussfolgern, wie ich über das, was sie von sich preisgeben, denke.

    Dann ist offensichtlich die Anonymität des Internets eine wesentliche Ursache für die Offenherzigkeit der jungen Menschen. Und das trotz der Tatsache, dass die junge Generation einen weit tieferen Einblick in die Computertechnologie hat, als wir Älteren und damit müsste sie auch ein größeres Wissen über den Umgang mit den Gefahren haben. Ich denke, hier muss viel mehr Aufklärungsarbeit erfolgen.

    Dennoch, die Lebens- und Berufsperspektiven der jungen Menschen werden sich weiter verändern. iPhone, iPot, iPad, weTab und wie die neuen elektronischen Geräte alle heißen, haben uns fest im Griff. Kinder werden während der Autofahrt ruhig gestellt und spielen auf dem iPhone Doodle Jump oder betrachten ihre DVDs auf ihren handhelds. Schnell wird daraus eine Sucht, die, wenn sie nicht frühzeitig gestoppt wird, den jungen Menschen voll einnimmt. Kommen dann noch Schicksalsschläge in der Familie dazu, dann bedarf es oft externe Hilfe. Diese Erfahrungen machen wir immer wieder mit unserem Mentorenprogramm http://www.aktion-christophorus.de. Einen unserer betreuten Jugendlichen, ein Spieler, der mehr als 5 Stunden pro Tag mit Internetspielen am Rechner verbringt, wollen wir durch eine Kanalisierung seiner Fähigkeiten in eine andere Richtung von dieser Sucht abbringen. Wir suchen für ihn neben der weiteren Betreuung durch den Mentor eine Praktikumsstelle in einer IT-Abteilung eines Unternehmens, wo er zu festen Zeiten bestimmte Aufgaben für das Unternehmen löst.

    Aber auch Positives gibt es zu berichten. So gibt es genügend Software, um den Internetkonsum im Kindesalter positiv einzuschränken und nur bestimmte Seiten zuzulassen (alles andere ist dadurch automatisch verschlossen). Zum Beispiel die Seite von Playmobil (wenn da nicht der Marketingaspekt zu sehr im Vordergrund stände). Durch die Kombination von kurzen Videos in Verbindung mit elektronischen Spielen lernen die Kinder sehr früh etwas über das Römische Reich oder die ägyptische Kultur (es bleibt danach dem Geschick der Eltern überlassen, wie sie mit den Kinderwünschen nach dem dazu angebotenen Kinderspielzeug umgehen).

    Untersuchungen haben gezeigt, dass junge Menschen sich nur noch ungern Vereinen etc. anschließen wollen, um mit Gleichgesinnten ihre Meinungen zu vertreten. Hier bietet das Internet interessante Alternativen. Abgeordnetenwatch, foodwatch oder wie die Plattformen alle heißen, bieten hier hervorragende Möglichkeiten, sog. virtuelle Vereine für eine bestimmte Zeit oder ein begrenztes Thema. Hier sehe ich eine große Chance, vorausgesetzt wir gehen verantwortungsbewusst damit um, eine neue Wir-Identität in einer modernen Zivilgesellschaft zu entwickeln. Ich empfehle hierzu das Buch von Claus Leggewie und Harald Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten, Fischerverlag, Februar 2010.

    Datum: 9. November 2010 – 11:06 Uhr -
  3. Miriam Wolf, Telefónica o2 Germany schrieb:

    Liebe Diskussions-TeilnehmerInnen,

    ich freue mich sehr über Ihre Beiträge und auch kritischen Nachfragen!

    An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, um auf eine Diskussion hinzuweisen, die kürzlich im Rahmen des Think Big Media Colleges stattfand, bei der Jugendliche selbst Stellung bezogen haben zu Fragen, die durchaus in diese Runde passen.

    Zwanzig Jugendliche im Alter von 16 bis 21 diskutierten die Frage “Was bedeutet Respekt im Netz?” - insbesondere im Hinblick auf Datenschutz, Cybermobbing und illegale Downloads (siehe auch http://www.diskutiere.de/2010/was-bedeutet-respekt-im-netz/).

    Die Diskussion gewährt einen guten Einblick, inwieweit Jugendliche sich selbst bei ihrem Handeln im Netz reflektieren.

    So gab es Stimmen die finden, dass iIlegale Download ok sind, “weil Musik sonst Luxus wird” und man ja “erst mal auschecken will”, ob einem die Musik überhaupt gefällt. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass im Netz die gleichen Werte gelten und man im Internet “genauso respektvoll miteinander umgehen“ sollte, wie in der Realität. Mobbing sei etwa immer respektlos, unabhängig davon, ob der Streit im Netz oder in der realen Welt ausgetragen werde.

    Bei der Frage, wie viel man von sich im Internet preisgeben sollte, zeigten sich die Jugendlichen durchaus besorgt, dass Daten und Fotos aus sozialen Netzwerken an anderer Stelle wieder auftauchen können und dies z.B. beim Vorstellungsgespräch zu Problemen führen kann.

    Auch bei der Unterstützung, die sich Jugendliche für einen sicheren Umgang im Netz wünschen, haben die Teilnehmer klare Vorstellungen: Bestimmte Seiten “mit gefährlichen Inhalten könnten einfach gesperrt werden”. Bessere und verständlichere Entscheidungsmöglichkeiten sind gewünscht, darüber wie bspw. Schüler-Vz oder Facebook mit den eigenen Daten umgehen. Und Eltern wird z.B. geraten, selbst Kurse über den Umgang und das Verhalten im Netz zu besuchen.

    Was halten Sie davon? Ich freue mich auf Ihr Feedback.

    Viele Grüße und weiterhin viel Spaß beim Diskutieren,
    Miriam Wolf, Corporate Responsibility & Reputation Manager Telefónica o2 Germany

    Datum: 2. November 2010 – 15:23 Uhr -
    • Anton Kurzka schrieb:

      Ich bin skeptisch bezüglich der Befragung Jugendlicher. Ob da geäußert wird, was die Heranwachsenden wirklich denken? In diesem Alter geht doch alles Drunter und Drüber und die gestrige Meinung ist heute schon wieder überholt. Was kann man also geben auf eine gerade geäußerte Stimmungslage, die nur bekannt wurde, weil ein Unternehmen sich des Themas „Wie verändert die vernetzte Welt die Lebens- und Berufsperspektiven junger Menschen?“ angenommen hat?

      Zunächst einmal glaube ich, so sehr haben sich die Jugendlichen in den letzten 30 Jahren nicht verändert. Sie müssen eine entscheidende Lebensphase bewältigen, sich zurechtfinden und durchbeißen, haben aber ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. „Dabei zu sein“ bedeutet sehr viel und alle hoffen, ihr perfektes Leben zu gestalten. Das war früher auch so.

      Der größte Unterschied ist wohl doch die immens gewachsene Anzahl an Möglichkeiten und damit auch an Anforderungen, denen Jugendliche gegenüberstehen. Es ist ein Unterschied, ob man 3 Fernsehprogramme zur Auswahl hat und die Familie den Fernseher ab 20 Uhr blockiert, oder ob man zwischen 3 verschiedenen Musiksendern am eigenen Fernseher auswählen kann und im Chat erfährt, dass der beste Freund gerade am Computer „Doom“ spielt. Die eigenen Ansprüche wachsen und müssen häufig frustriert aufgegeben werden.

      „Overload“, wie die Informations- und Unterhaltungsüberflutung im Buch „Generation Internet“ genannt wird, ist sicher ein wichtiger Punkt, den Jugendliche für sich klären müssen. Für eine „richtige“ Entscheidung sollten sie die nötigen Informationen und Anregungen bekommen. Auch die oft bemühte Vorbildfunktion wird entscheidend sein, ob Jugendliche „vernünftige“ Umgangsformen mit den neuen Medien-Möglichkeiten erlernen.

      Zu der angesprochenen Problemstellung „Musik oder Filme illegal aus dem Netz ziehen?“: Wenn man Tonträger früher kopiert hat, dann war das doch genauso illegal, wie wenn jetzt Jugendliche Musik aus dem Netz ziehen – so viel hat sich doch nicht geändert! Nur dass früher Strafverfolgung kaum möglich war, jetzt aber ein Kopierversuch anhand der IP-Adresse und Einsatz eines Rechtsanwalts bereits empfindliche Strafen nach sich ziehen kann. Wenn man schon kein Vorbild ist, sollte man doch die Jugendlichen auch im eigenen Interesse vor den möglichen juristischen Konsequenzen warnen.

      Datum: 16. November 2010 – 20:37 Uhr -
      • Johannes Raffel schrieb:

        Sehr geehrte Frau Wolf,
        sehr geehrter Herr Kurzka!

        Ich denke sehr wohl, dass Jugendliche genauso ernst genommen werden sollten wie Erwachsene. Nein: Die gestrige Meinung von Jugendlichen ist heute nicht wieder überholt. Ich glaube, hier wird ein zu simples Bild der Jugendlichen gezeichnet. Genau diese Stigmatisierung gilt es zu bekämpfen. Jugendliche müssen mit einbezogen und ihrer Stimme ein größerer Wert verliehen werden. Ich erlebe in meiner täglichen Arbeit mit engagierten jungen Menschen, wie gut und reflektiert ihre Gedanken und Ideen sind.

        Ich finde spannend, dass in einer Diskussion unter Jugendlichen Eltern geraten wird, selbst Kurse über Umgang und Verhalten im Internet zu besuchen. Diese Idee ist doch großartig, hier sollten wir ansetzen. Und hier könnten Unternehmen wie o2 Germany gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und Kurse für interessierte Eltern finanziell und/oder ideell unterstützen.

        Ich freue mich auf weitere Beiträge,
        freundliche Grüße
        Johannes Raffel, Youth Bank Deutschland e.V.

        Datum: 17. November 2010 – 12:42 Uhr -
        • Anton Kurzka schrieb:

          Sehr geehrter Herr Raffel,
          um Erwachsene ernst nehmen zu können, müssten sie sich zuvor dieses Themas “vernetzte Welt” annehmen und sich entsprechend dazu äußern. Mein Eindruck ist, dies wird nur ungenügend von Erwachsenen gemacht, trotz vieler Aktionen, wie zum Beispiel zum Thema gestaltete Internetseiten (www.klicksafe.de, http://www.dialog-internet.de, http://www.bundestag.de/internetenquete/) oder an Schulen angebotene Vorträge zur Mediennutzung. Dabei möchte ich auch keine verallgemeinernde Aussagen treffen, weder über Erwachsene noch über Jugendliche. Dazu kommt, auch Erwachsene haben Probleme mit der neuen Kommunikationswelt (http://www.zeit.de/2006/46/Unterbrechungen) und suchen noch nach Lösungen. Aus diesem Grund war ich ja positiv überrascht, dass die Diskussion unter Jugendlichen zwar nicht die 10 Gebote umgeschrieben ins 21. Jahrhundert hervorgebracht hatte, aber doch ein Meinungsbild, auf das aufgebaut werden kann und das lesenswert ist.

          Dass der Einfluss der Jugendlichen allerdings ausreicht, ihre Eltern dazu zu bewegen, sich vermehrt mit den neuen Kommunikationsformen und Medien auseinanderzusetzen, glaube ich nicht. Doch sehe ich die Notwendigkeit, sich entsprechende Fähigkeiten anzueignen, für gegeben. Den Einfluss der Jugendlichen in die Diskussion zu fördern, finde ich erstrebenswert, allerdings sollten ihnen ausreichend viele erwachsene Diskussionspartner zur Verfügung stehen. Besonders deshalb, weil Jugendliche sonst vielleicht auf ihren festgefahrenen Meinungen bestehen bleiben bzw. die Erwachsenen.

          Freundliche Grüße
          Anton Kurzka

          Datum: 17. November 2010 – 20:07 Uhr -
  4. Anton Kurzka schrieb:

    Neue Medien in gewachsene/bestehende Strukturen!
    Wie Frau Dr. Schweder in ihrem Beitrag „Lernen in der Gegenwart“ ausführt, werden „individuelle(n) Lernprozesse entscheidend gesteigert“, wenn eine „Web 2.0 Plattform“ in die Lernumgebung eingeführt wird. Ob Verbesserungen zu erwarten sind, wenn man mithilfe der Neuen Medien erziehen will, steht aber meiner Ansicht nicht im Vordergrund (es wird Beispiele für und wider geben). Die Frage ist, wie kann man sinnvoll Neue Medien in die Unterrichtspraxis integrieren, sodass alle Schüler (m/w) davon profitieren und bereits bestehende Lernziele nicht vernachlässigt werden. Die Vermittlung des Lehrstoffs einschließlich der drei Grundfertigkeiten „Lesen, Schreiben, Rechnen“ darf nicht darunter leiden, dass die neu zu vermittelnde Medienkompetenz als weitere „Grundfertigkeit“ zu viel Raum einnimmt.

    Ein Beispiel dies umzusetzen, kenne ich aus dem Grundschulbereich (wobei mir klar ist, dass dies nicht das beste Beispiel zum Thema „Erwachsen werden 2.0: Wie verändert die vernetzte Welt die Lebens- und Berufsperspektiven junger Menschen?“ ist). Die „Grundschul-Wiki“ von ZUM („Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V.“) möchte sowohl Fachkompetenz als auch Medienkompetenz vermitteln (Autor: Martin Leupold, http://www.lehrer-online.de/url/zum-grundschulwiki).

    Diese gleichzeitige Vermittlung von Fach- und Medienkompetenz sollte durchgängig durch alle Schulformen angestrebt werden.

    Bei Grundschul-Wiki (http://www.grundschulwiki.de) handelt es sich um eine Wikipedia für Grundschüler, in der unter Anleitung erwachsener Administratoren Grundschüler Wissensbeiträge erstellen. Fachkompetenz wird dadurch vermittelt, dass Themen von den Grundschülern analysiert und mit eigenen Worten in der Wiki beschrieben werden. Dabei soll vor allem die Arbeit im Internet dazu anregen, sich Medienkompetenz anzueignen (in Bezug auf Mediengestaltung, Mediennutzung, Medienkritik und Medienkunde (Dieter Baake)). Dies muss natürlich altersgerecht und unter passender Anleitung erfolgen.

    Die Grundschul-Wiki, als Werkzeug zur Einübung von Medienkompetenz und gleichzeitiger Möglichkeit zur Vermittlung von Unterrichtsstoff, benötigt aber mehr Voraussetzungen, damit sie erfolgreich eingesetzt werden kann:

    • Einbeziehung der Grundschul-Wiki in den regulären Unterrichtsablauf
    o Neben der Tastatur sollten andere Eingabemöglichkeiten für den Computer den Grundschülern zur einfacheren Bedienung zugänglich sein (wichtig für frühzeitigen Einstieg der Grundschüler in die PC-Arbeit)
    o Verschiedenste Unterrichtsthemen sollten mit Hilfe der Grundschul-Wiki aufbereitet werden
    o Kindersichere Ausrüstung der vorhandenen PC-Arbeitsplätze wäre erforderlich
    o Lehrkräfte müssen entsprechend geschult werden und geeignete externe Fachkräfte müssen mitarbeiten (zur Entlastung der Lehrkräfte)
    o Eine stärkere Einbeziehung von Eltern wäre auch hier wünschenswert

    • Überwachung der Auswirkungen, die der Unterricht durch die verstärkte Nutzung des Internets erfährt
    o Der eventuell eintretenden Techniklastigkeit des Unterrichts muss durch entsprechende Höherstufung anderer Themen entgegengewirkt werden
    o Bildschirmzeiten streng begrenzen – auch in Zusammenhang mit der außerschulisch verbrachten Zeit vor dem Bildschirm, darf die „Medienzeit“ für die Kinder nur einen zu definierenden begrenzten Teil beanspruchen

    • Überwachung der Auswirkungen, die durch die verstärkte Nutzung des Internets auf Schüler hervorgerufen werden
    o Durch den Umgang mit dem PC auftretende veränderte Arbeitsweisen der Schüler sind immer zu bewerten und ggf. zu korrigieren
    o Mediengebrauch muss sich mit alternativen Beschäftigungen der Schüler in geeigneter Weise abwechseln
    o Abtauchen der Schüler in eine virtuelle Welt des Computers muss erkannt und verhindert werden

    Werden diese grundlegenden Themen bereits in der Grundschule sorgsam behandelt und Medienkompetenz damit hinreichend vermittelt, können Heranwachsende ihr Leben in einer vernetzten Welt bereits gestalten. Dies sehe ich als wichtigen Punkt an: Erst nachdem Grundlagen für Medienkompetenz bei Schülern gelegt sind, können bessere Lebens- und Berufsperspektiven in der vernetzten Welt gewonnen werden (die Perspektiven ergeben sich nicht automatisch durch das Web 2.0). Damit dies möglichst alle Schüler erfahren, muss Medienkompetenzunterricht in fast allen Fächern der Schulen erfolgen, die sich dem Grundschulbesuch anschließen. Wie Schreiben, Lesen und Rechnen ständig fächerübergreifend im Unterricht geübt werden, so muss auch Medienkompetenz ständig innerhalb aller Fächer erweitert werden. Dies muss aber, wie oben anhand der Grundschul-Wiki beschrieben, in Zusammenhang mit den anderen Unterrichtsinhalten erfolgen, da eine losgelöste Vermittlung zu zeitaufwendig und ineffizient ist. Zudem wird auf diese Weise sichergestellt, dass Web 2.0 im entsprechenden Praxisbezug behandelt wird.

    Sicher sind Projekte ein guter Einstieg für Jugendliche, um sich zunächst mit dem Web 2.0 anzufreunden und die Förderung benachteiligter Jugendlicher ist begrüßenswert. Noch wichtiger ist aber meiner Meinung nach, das Web 2.0 endlich in geeigneter Weise in bestehende Unterrichtsformen zu integrieren. Es muss unter Überwachung der Auswirkungen und mit entsprechender Vorsicht „normal“ werden, in allen Schulformen sich des Web 2.0 im Unterricht zu bedienen. Dafür sollten staatliche Stellen, Unternehmen, Eltern und Schüler gewonnen werden. Die Zielstellung muss lauten: Everyone learns editing.

    Datum: 1. November 2010 – 19:27 Uhr -
  5. Hannes schrieb:

    Zunächst stellt sich für mich die Frage, was unter „neuen Medien“ fällt, denn der Begriff bezieht sich im Allgemeinen auf jegliche zeitbezogene neue Medientechniken.
    Anfänglich wurde damit das Radio bezeichnet, später war es das Fernsehen und mit dem Aufkommen von Videotext und BTX wurden diese als Neue Medien ausgezeichnet.
    Seit Mitte der 1990er Jahre werden alle elektronischen, digitalen, interaktiven Medien als „neue Medien“ betrachtet.
    Ich will mich nun aber in meinem Statement auf das Internet beschränken, um den Rahmen nicht zu sprengen;-)
    Birgt dieser digitale Raum eigentlich nur Vorteile oder verbergen sich nicht Risiken, die wir selten beachten?
    Bei genauerer Betrachtung stellt sich für mich das Medium Internet als zweischneidiges Schwert dar.
    Einerseits bietet es jedem die Möglichkeit auf Informationen und Hilfestellungen zugreifen, andererseits muss man sich fragen, wodurch diese Informationsquellen eigentlich gesichert sind. Daten können problemlos innerhalb von Sekunden online gestellt werden, zum Beispiel für Vermarktungszwecke, oder in Foren um sie Freunden zu zeigen. Doch wie sieht es mit der Absicherung aus? Wer hat alles Zugriff auf vertrauliche Inhalte?

    Ich vermute, dass die meisten Kinder und Jugendlichen selbstständig mit dem Web in Kontakt kommen, auf eigene Faust drauflos „surfen“, wie man so schön sagt. Aber ich glaube auch, dass die meisten damit überfordert sind und die Gefahren, die das Internet mit sich bringt unterschätzen.
    Besser ist es deshalb bereits Kinder bei der Hand zu nehmen und ihnen das Potential und die Reichweite des „neuen“ Mediums zu erklären.
    Es ist besonders wichtig diese Chance zu nutzen, da meiner Meinung nach viele Jugendliche später nur Desinteresse gegenüber einem kritischen Umgang mit dem Internet zeigen, da sie für sich selbst ja schon die „schönen Seiten“ des virtuellen Raums entdeckt haben.
    Das Potential des Internets wird zum Beispiel von Unternehmen genutzt, um Informationen in den Köpfen der Menschen zu verankern, hier stimme ich Kristina K. zu. Unterstreichen möchte ich, dass nicht nur die Wirtschaft, sondern auch der Bildungssektor diese Möglichkeit immer mehr wahrnimmt und sich so vielleicht auch Wege finden, Jugendliche in ihrem Umgang mit dem www zu begleiten und sie in eine richtige Richtung zu führen.
    Problematisch erscheint mir nämlich auch der Einfluss des Internets auf das Sozialverhalten von Jugendlicher. Durch zu häufige Nutzung des digitalen Raums vereinsamen viele. Sie setzen virtuellen Kontakte mit persönlichem gleich. Außerdem werden sie mit ungefilterte, unkommentierte Bilder und Videos überflutet, die sie oft kaum richtig zuordnen und analysieren können, um sich eine richtige Meinung bilden zu können.
    Wie ist es möglich das zu ändern?
    Unternehmen sollten genau daran anknüpfen und ihr Wissen über das neue Medium so einsetzen, dass Jugendliche von Anfang an den Umgang damit lernen. Vielleicht ist „Think Big“ ein solches Projekt, aber leider sehe ich wie Frank Baumann auch, dass dieses Programm im Moment noch ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.
    Derartige Programme müssen viel stärker öffentlich gemacht werden um effektiv zu sein, dann aber machen sie sicherlich wirklich viel Sinn, vor allem wenn Unternehmen und Politik zusammenhelfen.
    Ich erinnere mich an eine deutschlandweite? Aktion in meinem Kindergarten, bei der ein Zahnpastahersteller mit uns Kindern einen Workshop veranstaltet hat, in dem wir das richtige Zähneputzen erlernten. Werbung für das Unternehmen nützliche Info für uns!
    Wäre das nicht ein Ansatzpunkt für Programme in der Zukunft?

    Datum: 29. Oktober 2010 – 16:01 Uhr -
  6. Kathrin schrieb:

    Für viele junge Menschen, wie auch für mich, ist das Internet nahezu zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags geworden.
    Nur selten macht man sich die unendlichen Möglichkeiten des world wide webs bewusst, und noch seltener denkt man an die Gefahren die das Internet mit sich bringt.
    Die Stärken des Internets bestehen in meinen Augen in seiner Offenheit und Schnelligkeit. Das Internet ermöglicht es Menschen der ganzen Welt auf einfache Weise miteinander in Kontakt zu treten, Informationen auszutauschen, Wissen in Sekundenschnelle abzurufen oder sich unterhalten zu lassen, durch Filme, Spiele und vieles mehr.
    Meine Oma fragte mich einmal: „Was steht denn da eigentlich drinnen, in diesem Internet?“ „Alles, einfach alles!“ war meine spontane Antwort. Online stellen kann hier jeder nahezu was er will, Kontrolle der Inhalte sind schwierig.
    So können politisch extrem orientierte Organisationen ihr Gedankengut im Internet verbreiten, wenn sie wollen auch anonym. Soziale Netzwerke und Foren können genutzt werden um junge Menschen zu beeinflussen, sie für die extremen Ideen zu gewinnen, sie aufzuhetzen. Auch stellt das Internet für terroristischen Gruppierungen ein enorm wichtiges Instrument der Organisation dar, da räumliche Distanzen über nationale Grenzen hinweg einfach überwunden werden können und sie so kaum ein Risiko eingehen entdeckt zu werden.
    Aber nicht nur der Informationsaustausch Krimineller oder Extremer und die möglichen Beeinflussungsmöglichkeiten die sich im Internet ergeben stellen Gefahr für Kinder, Jugendliche und wie ich denke auch Erwachsene dar, sondern auch die Informationen, die wir selbst ins Internet eingeben, können gegen uns verwendet werden.
    In sozialen Netzwerken, wie Facebook, stellen junge Menschen sich und ihr Leben höchst offenherzig dar. Präsentieren Fotos, auch eher private, berichten über Alltag und Einstellungen. Zwar sind viele überzeugt nur „Freunde könnten sich die Seiten ansehen und damit sei es absolut risikolos offen mit intimen Inhalten umzugehen. Aber wie viele Jugendliche haben mehrere hundert „Freunde“ unter denen sich einige befinden, die man noch nicht einmal kennt.? Und wissen wir eigentlich wirklich wie sicher der Informationsschutz ist? Kann man sich sicher sein, dass ein netter Chatpartner in einem Forum nichts böses im Schilde führt? Erst kürzlich sah ich in einer Fernsehsendung einen Bericht über junge Mädchen, die sich gerne nach der Schule ihre Zeit damit vertreiben mit fremden Männern schriftlich zu unterhalten. Ein fingiertes Gespräch mit den Kindern zeigte, dass die Mädchen bereitwillig Auskünfte darüber geben an welche Schule sie gehen, Fotos von sich verschicken und sogar Treffen vereinbaren. Die Kinder haben die große Gefahr, in die sie sich da eventuell begeben, einfach nicht erkannt.

    Bewusstsein schaffen über die Risiken, die das Internet mit sich bringen , ist so denke ich, die einzige Chance all die Vorteile des Internets , auf die ich hier kaum eingegangen bin, sicher nutzen zu können.
    Dass es nicht nur die Aufgabe der Eltern ist, ihre Kinder vor all den Gefahren, die das Internet mit sich bringt, zu beschützen, sondern auch Politik und Unternehmen einen Teil der Verantwortung übernehmen sollten, steht für mich außer Frage, da einige Eltern dieser Aufgabe nicht gewachsen sind, oder Jugendliche auf ihren Rat nicht hören.
    Informationen zum richtigen Umgang und den unglaublich vielen Möglichkeiten der Nutzung des Internets können sicherlich teilweise Schule liefern, aber auch Unternehmen, vor allem Internetanbieter, müssen an junge Menschen herantreten und Aufklärungsarbeit leisten. Außerdem sehe ich es als unglaublich wichtig an, dass für Kinder kein freier Zugang ins Internet offen steht! Entweder müssen die Kleinen unter Aufsicht durch das world wide web surfen oder es müssen Kindersicherungen installiert werden, so dass nur bestimmte Seiten geöffnet werden können.
    Abschließend möchte ich noch hervorheben, dass nicht nur schädliche Beeinflussung der Jugend über Internet möglich ist, sonder ebenso positive! Warum tritt die Politik eigentlich so selten in Foren und sozialen Netzwerken an uns heran?

    Datum: 29. Oktober 2010 – 15:59 Uhr -
  7. Ina Schwertfeger schrieb:

    Die Kompetenz zur Nutzung neuer Medien wird in nicht allzuweiter Zukunft Voraussetzung für politische Teilhabe sein. Jugendliche in diesem Punkt zurückzulassen, würde bedeuten sie von der Gestaltung unserer Gesellschaft auszuschliessen. Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung wirklich ernst nehmen, sollten auch diesen Aspekt in den Fokus nehmen.
    Selbstverständlich wird die Nutzung neuer Medien bald als Kulturleistung dem Lesen und Schreiben gleichkommen, da bereits ein großer Teil der Kommunikation über die Kanäle der sozialen Medien läuft. Damit junge Menschen also beruflich erfolgreich sein können, müssen sie den Umgang erlernen.

    Datum: 29. Oktober 2010 – 12:36 Uhr -
  8. Sylke Freudenthal schrieb:

    Dass sich ein Telekommunikationsunternehmen damit befasst, welche Verantwortung es für die verantwortungsvolle Nutzung neuer Medien gerade durch junge Menschen trägt, finde ich gut und richtig. Think big und diese Diskussion tragen dazu bei, für das Thema zu sensibilisieren, aber auch auf das Engagement des Unternehmens aufmerksam zu machen. Für die Job-und Lebensperspektiven junger Menschen tragen Unternehmen tatsächlich einen Teil der Verantwortung - und zwar im eigenen Interesse. Sie selbst stehen mit ihren Produkten und Dienstleistungen im öffentlichen Rampenlicht, brauchen engagierten Nachwuchs und suchen nach positiven Unterscheidungsmerkmalen von Konkurrenten. Es ist deshalb weitsichtig, sich dieser Verantwortung zu stellen und sie offen zu kommunizieren. Ich vermute, dass sich die Problematik der beruflichen Integration junger Menschen noch verschärfen wird. Da nicht allein das Mediennutzungsverhalten dabei eine Rolle spielt, sondern auch andere Fragen wie soziale, sprachliche oder handwerkliche Kompetenzen, sind alle Unternehmen gefordert, sich aktiv einzubringen. Allerdings nicht allein sie - gefragt ist ein schlüssiges Zusammenwirken zwischen Politik, gemeinnützigen Organisationen und Wirtschaft.

    Datum: 28. Oktober 2010 – 10:28 Uhr -
  9. Peer-Oliver Villwock schrieb:

    Aus meiner Sicht verändern die Neuen Medien wesentlich die Art und Weise der Informationsaufnahme. Das war aber immer schon so. Wurden früher Geschichten von Ohr zu Ohr getragen, waren es später Bücher, dann Zeitungen, noch später das Radio, das Fernsehen und nun das Internet.

    Entscheidend ist, dass die Informationen direkter, schneller, vielfach ungefiltert von einem Ende der Welt zum anderen gelangen. Und dies in Sekunden.
    Dies hat Vorteile, da der Besitz von Informationen demokratischer verläuft und potentiell Informationen für alle zur Verfügung stehen.

    Aufgrund der Ungefiltertheit der Informationen ist jedoch zunehmend eine gut ausgebildete Medienkompentenz wichtig. Wir brauchen eigene Filter, um der Informationsflut Herr zu werden.

    Genau hier liegt Chance und Gefahr dicht beieinander. Wenn wir es nicht schaffen sollten, möglichst flächendeckend diese Medienkompetenz auszubilden, können die Neuen Medien zu einer neuen Hürde für viele Menschen werden. Die Diskussion und die Teilhabe an den neuen Medien würde einer neuen Elite vorbehalten bleiben.
    Schon heute kann man viele Dinge nur noch mit Internetanschluss bequem erledigen, viele Menschen haben aber gar kein Zugang bzw. wissen gar nicht, wie sie ihn nutzen könnten.

    In einer schrumpfenden Gesellschaft dürfen wir jedoch in so einer zentralen Frage kein Talent zurücklassen. Hier fängt auch die Verantwortung von Unternehmen an. Viele Kompetenzen der Zukunft wandeln sich ständig, auch und vor allem durch die Neuen Medien. Der bloße Blick auf die formale Ausgangsqualifikation bei Neueinstellungen ist da zunehmend der falsche Weg. Wir sollten in D eine Kultur entwickeln, die neben der formalen Qualifikation auch “training on the job” als Variante zur Berufsqualifikation in einer sich schnell wandelnden Welt fördert.
    Hierzu gehört natürlich auch die fachgerechte Ausbildung einer Medienkompetenz.

    Think Big bedeutet daher für mich, dass sich Unternehmen hier einbringen und nicht darauf warten, was staatliche Bildungseinrichtungen ihnen bereitstellen. Falsch wäre ein lediglich altruistisches Motiv. Diese sind meist nicht nachhaltig. Sie sind auch gar nicht notwendig, da
    1. der Run auf Fachkräfte die Unternehmen selber in die Pflicht nehmen wird, die Fachkräfte auch selber ständig (weiter) zu qualifizieren.
    2. ein Engaement von Unternehmen auch stets ein guter Werbeträger ein. Ein Werbeträger, der sonst viel teurer und meist ineffektiver bezahlt werden muss.

    Datum: 20. Oktober 2010 – 12:04 Uhr -
  10. Kritiker schrieb:

    Also zunächst mal finde ich es positiv, wenn sich O2 bzw. Unternehmen allgemein mit dieser Frage auseinandersetzen und mit einem Wettbewerb wie Think Big ein Angebot für Jugendliche schaffen, die vielleicht von anderen, konventionellen Bildungsangeboten schwer erreicht werden. Hip-Hop ist ja inzwischen fast schon ein “Klassiker”, wenn es darum geht, Jugendliche aus bildungsferneren Schichten anzusprechen. Also aus meiner Sicht zunächst mal ne gute Idee.

    Interessant und spannend finde ich auch, welche Chancen hier Web 2.0 und Co. bieten. Jugendliche medial dort abzuholen, wo sie sich sowieso schon schon zu großen Teilen bewegen und diese neuen Angebote zu nutzen, um letztlich Bildungsinhalte zu vermitteln, erscheint mir vielversprechend. Aber wie das genau gelingen kann, da fehlt mir ein bisschen eine antwort. Vielleicht ist das auch zuviel verlangt, aber viellecht könnte man das doch etwas konkreter machen.

    Der Nutzen von Think Big erschließt sich mir nämlich nicht komplett. Ich glaub zwar, dass das den beteiligten Jugendlichen viel Spass machen könnte, ihnen auch einiges an Selbstvertrauen mitgeben könnte, aber es stellen sich für mich zwei kritische Fragen: kann mit dem Projekt tatsächlich erreicht werden, dass Jugendliche z..B. mit Hauptschulabschluss oder ohne Schulabschluss tatsächlich eine nennenswerte Kompetenz erwerben? Und würde das viele Geld - ich vermute zumindest, dass ein so professionelles, groß aufgezogen und prominent besetztes Projekt nicht billig ist - nicht eine breitere Wirkung entfalten, wenn man damit bestehende Projekte vor Ort fördern würde oder dazu genutzt hätte, Sozialarbeiter und Pädagogen (ein eher wenig technikaffines Klientel) hier zu befähigen neue Medien stärker zu nutzen? Es wäre spannend, von O2 oder den Projektpartnern zu erfahren, was sie mit dem Projekt gelernt haben?

    Datum: 19. Oktober 2010 – 21:09 Uhr -
  11. Kristina K. schrieb:

    Für mich stellt sich beim Projekt Think Big zunächst die Frage, welche Jugendlichen damit genau angesprochen werden sollen und in welchen Größen sich das Programm bewegen möchte und vor allem kann.
    In meiner Arbeit in der Berufsvorbereitung stelle ich immer wieder fest, dass die so genannten neuen Medien zwar genutzt werden, jedoch fast ausschließlich für Freizeitzwecke. Kaum ein Jugendlicher, der nicht in Sozialen Netzwerken vielfach verlinkt ist, wobei sich viele der Tragweite ihrer Selbstdarstellung nicht bewusst sind.
    Zur Informationsgewinnung und -weitergabe werden Medien hingegen kaum genutzt, teils aus Unkenntnis, sicher aber auch auf Grund von mangelndem Interesse.
    Die Frage ist wohl altbekannt: wie interessiert man junge Menschen für Bildung? Hinzu kommt die Aufgabe, ihnen einen (Risiko) bewussten, reflektierten Umgang mit Selbstdarstellungsplattformen zu vermitteln, ohne ihre jugendtypischen Interessen aus den Augen und damit den Kontakt zu ihnen zu verlieren.

    Datum: 19. Oktober 2010 – 18:03 Uhr -
    • Reinhard Leinweber schrieb:

      dem, was Sie sagen, Kristina, kann ich nur zustimmen. Als Berufseinstiegsbegleiter stelle ich auch immer wieder fest, dass Medien von den Jugendlichen zwar genutzt werden, aber zu fast 100% für Freizeit und Vergnügen. Und fast allen ist nicht bewusst, welche Gefahren in ihrem “Veröffentlichungs- und Selbstdarstellungstrieb” vorhanden sind. Medien wurden zwar zu jeden Zeiten neu geschaffen, erfunden, eingebracht - ob Wandmalereien oder Zeitschriften, Radio oder Fernseher. Aber die Qualität der “Neuen Medien” äußert sich auf eine unterschiedliche Weise gegenüber den früheren, neuen Medien. Waren Medien bisher nur in eine Richtung aktiv, so werden sie heute in beide Richtungen eingesetzt. Während man Informationen aus dem Internet holt, gibt man Informationen über sich selbst im Internet preis, verdeckt oder offen, bewusst oder unbewusst. Und hier liegt die größte Gefahr für die, im Umgang mit Medien unerfahrenen, jungen Menschen. Unerfahrenheit bezieht sich dabei nicht auf die Anwendung der Medien an sich, denn die meisten jungen Menschen können mit den Medien besser umgehen als die “Alten”, sondern auf den Umgang mit dem sozialen Umfeld, den Umgang mit vermeintlich gut meinenden Menschen und Institutionen, die sich im Anbieternetz verstecken und wie die Spinne auf ihr Opfer warten. Hier ist noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit nötig, um gesamtgesellschaftlich Schlimmes zu verhindern.

      Datum: 29. Oktober 2010 – 11:24 Uhr -
  12. Nele schrieb:

    Ganz klar, ohne die Fähigkeit sich in den “neuen” Medien und einer oft digitalen Welt zu recht zu finden, hat man heute sicherlich in fast keinem Job mehr eine Chance. Aber was heißt den eigentlich “neue” Medien. Für die Mehrheit der heutigen Jugendlichen sind und waren diese Medien nicht neu, sondern gehören schon immer zum Alltag. Die allermeisten gehen deshalb damit viel besser und sicherer um als viele Erwachsene. Sich nicht aktiv zu beteiligen hat denke ich vielmehr mit Dingen wie z.B. Politikverdrossenheit zu tun.

    Andererseits gibt es sicherlich eine Gruppe von Jugendlichen, die wegen ihres sozialen Umfelds benachteiligt und nicht so fit in den neuen Medien sind. Hier sehe ich in erster Linie das familiäre Umfeld (sofern es das überhaupt leisten kann), Schule und die Politik gefragt.

    Datum: 13. Oktober 2010 – 16:24 Uhr -
  13. Frank Baumann schrieb:

    Neue Medien sind selbstverständlich für junge Menschen. SchülerVZ, Jappy oder Instant Messenger wie ICQ oder MSN Messenger bilden einen ganz normalen Bestandteil des jugendlichen Alltags. Mit den neuen Möglichkeiten haben sich neue Kanäle des Kommunizierens mit Gleichgesinnten entwickelt, bei denen wir Erwachsene zuweilen nur kopfschüttelnd oder staunend über die Schulter gucken. Manchmal scheint es jedoch, als ob Jugendliche die neuen Möglichkeiten nur zum Spielen, zum Konsumieren nutzen, eine zielgerichtete, “sinnvolle” Beschäftigung kaum stattfindet. Das mag einerseits ein berechtigter Einwand sein. Andererseits kommen nach meiner Wahrnehmung viele Erwachsene mit den Optionen, die das Web 2.0 bietet, nicht hinterher, können die Potenziale nicht abschätzen und sehen eher die Risiken, die damit verbunden sind oder sein könnten.

    Doch wir Erwachsene müssen uns wohl oder übel damit abfinden, dass Jungen heutzutage eben nicht mehr mit der Modelleisenbahn spielen - was ja oft insbesondere die Väter fasziniert hat - , sondern viel eher Computerspiele im Internet nutzen (und sich über Tricks und Kniffe mit ihren Altersgenossen austauschen). Ich beispielsweise verstehe den Sinn des Spiels nicht, das mein Sohn nach der Schule mit Leidenschaft betreibt. Während mir die Faszination verschlossen bleibt, sehe ich vielmehr kritisch die Zeit, die er vor dem Rechner verbringt. Aber vielleicht ist seine Tätigkeit vor dem Bildschirm genauso einfallsreich wie mein Zusammenbauen von HO-Eisenbahnschienen vor 35 Jahren? Wichtig erscheint mir - nicht zuletzt für die Ausbildung einer (selbst-)kritischen Medienkompetenz - das Erlernen (und Vermitteln!) eines kreativen Umgangs mit den neuen Medien. Leider haben hier viele Erwachsene - nach meinem Eindruck auch und gerade viele Lehrerinnen und Lehrer - großen Nachholbedarf.

    Aus diesem Grund begrüße ich Medienprojekte wie “Think Big”. Sie sind ein Schritt in die richtige Richtung. Für eine nachhaltige Verbesserung der aktuellen (Un-)Kenntnis der zahlreichen Formen des Web 2.0 sind aus meiner Sicht aber nicht nur einzelne Projekte notwendig. Vielmehr bedarf es des Aufbaus von Strukturen zur Vermittlung einer verbesserten Medienkompetenz für Jugendliche und erwachsene MultiplikatorInnen. Beispielsweise erfahren wir bei unserem Berufsorientierungsportal YouWiPod (http://www.youwipod.de), bei dem Schülerinnen und Schüler eine eigene Podcast-Episode über ihren Wunschberuf produzieren, dass der Einsatz neuer Medien in Schulprojekten recht gut gelingen kann. In den normalen Schulalltag finden Web 2.0-Techniken dagegen nur sehr zögerlich Eingang. Dabei bietet beispielsweise das Medium Podcast zahlreiche Möglichkeiten für einen spannenden, explorativen Unterricht. Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn Projekte wie “Think Big” beim Aufbau solcher Strukturen helfen würden. Was halten Sie beispielsweise von einem Wettbewerb für Lehrerinnen und Lehrer, bei dem das Team mit dem besten Medienbeitrag - und das dürften nicht nur EDV-Verantwortliche oder Informatik-LehrerInnen sein - einen einwöchigen Medienworkshop in der Toskana gewinnen kann?

    Datum: 11. Oktober 2010 – 11:34 Uhr -