Hauptsache ein Handy aus Gold

Hättest Du gern ein Handy aus Gold? Ja, warum denn nicht! Handys komplett aus Gold könnte man allerdings kaum bezahlen. Aber auch die Leiterplatte Deines Handys würde ohne Gold gar nicht funktionieren. In Handys stecken neben Gold noch etwa 30 weitere Metalle. Die Elektronikindustrie verbraucht bei der Herstellung unserer Handys, Laptops und MP3-Player immer mehr wertvolle und seltene Metalle. Viele dieser Rohstoffe werden in Entwicklungsländern abgebaut - oft unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen.

In der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel arbeiten 50.000 Kinder im Bergbau. Täglich schuften sie ohne Schutzkleidung in Kupfer- und Kobaltminen. In Südafrika werden ganze Dörfer umgesiedelt, um Platz für Platinminen zu schaffen. In Norilsk in Russland verursacht der Abbau von Nickel- und Kupfersulfid so starke Emissionen, dass der Schnee in der Stadt gelb aussieht und die Kinder schwere Lungenkrankheiten bekommen.

Auf Goldsuche in unseren Städten
Unsere Handys und Laptops sind also eine wahre Goldgrube. Zwar enthält ein Gerät nur geringe Mengen dieser Metalle, z.B. 24 Milligramm Gold. Multipliziert man dies aber mit den 1,6 Milliarden Handys, die weltweit allein im Jahr 2010 verkauft wurden, so ergibt dies über 38 Tonnen Gold! Mehr als 95 Prozent dieses Goldes und anderer Edelmetalle könnten durch Spezialfirmen wiedergewonnen werden. Hierfür ist es natürlich wichtig, dass die Geräte fachgerecht recycelt werden. Immer wieder landen jedoch große Mengen an Elektroschrott in Afrika oder Indien. Dort wird der hochgiftige Schrott oftmals per Hand unter extrem gesundheitsschädlichen Bedingungen auseinandergenommen. Auch um das zu verhindern ist es wichtig, alte IT-Geräte sicher zu entsorgen. Bislang verstauben noch zu viele Handys in Schubladen oder landen im Hausmüll. Vielleicht auch bei Dir, weil Dir diese Zusammenhänge bisher nicht bekannt waren?

Faire Handys sind Fehlanzeige
Etwa die Hälfte der weltweit verkauften Handys werden in China hergestellt. In China aber auch in den anderen Produktionsländern gibt es reichlich Probleme. In den Fabriken schuften die Arbeiterinnen und Arbeiter oftmals zwischen zehn und zwölf Stunden am Tag, an sechs bis sieben Tagen in der Woche, um Bauteile für Handys herzustellen. Manche von ihnen sind giftigen Substanzen ausgesetzt und haben keinen ausreichenden Arbeitsschutz. Der normale Tageslohn reicht kaum aus, um davon leben zu können. Und das, obwohl sich die meisten Wanderarbeiter billige Schlafräume mit bis zu acht Kollegen teilen. Wer etwas für seine Ausbildung zurücklegen oder seine Familie finanziell unterstützen will, muss monatlich bis zu 150 Überstunden leisten.

Verantwortung übernehmen
Hersteller und Mobilfunkanbieter tragen ihrerseits eine erhebliche Verantwortung. Wenn sie es ernst meinem mit ihrem Einsatz für soziale und ökologische Nachhaltigkeit, dann müssen sie sich in ihrer Lieferkette für eine gerechte Rohstoffgewinnung, eine faire Produktion sowie ein fachgerechtes Recycling einsetzen – allein oder am besten gemeinsam mit anderen Herstellern und Mobilfunkanbietern.

Was Du tun kannst
Sicher sind vor allem die Hersteller dafür verantwortlich, diese Bedingungen zu verbessern. Aber auch Du kannst etwas tun.

Bevor Du ein neues Produkt kaufst: Überlege Dir, ob Du Dein altes Gerät nicht für weitere ein oder zwei Jahre benutzen kannst! Wenn es ein neues Gerät sein muss, dann frage zum Beispiel beim Kauf nach den sozialen und ökologischen Bedingungen, unter denen das Gerät hergestellt wurde. Mach deutlich, dass Du an einem fair und ökologisch produzierten Handy sehr interessiert bist. Selbst wenn Du dann kein Handy findest, das unter guten Bedingungen hergestellt wurde - denn leider gibt es bisher noch bei allen Firmen Missstände - machst Du damit deutlich, dass Du bessere Bedingungen einforderst. Leider kann man sich bei der Kaufentscheidung nicht an einem Fairtrade-Siegel oder einem Blauen Engel orientieren wie etwa bei Schokolade oder Wandfarbe, da es solche für Handys nicht gibt.

Dein altes Handy bring unbedingt zu einer Recycling-Stelle oder gib es im Geschäft zurück. Lass es nicht in Deiner Schublade versauern. Nur so können das Gold und die anderen wertvollen Metalle recycelt werden und es müssen weniger neue Rohstoffe abgebaut werden.