Panel-Diskussion: Kann ein Handy grün und fair sein?

“Wozu grün und fair - Hauptsache Handys sind smart, schnell und schick!?” Dieser Frage gingen gestern Abend über 70 Verbraucher und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach. Zur Diskussionsrunde hatten UPJ und Telefónica Germany eingeladen.

v.l.n.r.: Klaus Milke, André Krause, Claudia Langer, Michael Bültmann, Dieter Janecek, Roman H. Mesicek

v.l.n.r.: Klaus Milke, André Krause, Claudia Langer, Michael Bültmann, Dieter Janecek, Roman H. Mesicek

Sind grüne Handys ein Widerspruch an sich? Bislang sorgen sich Verbraucher noch wenig um die Sozial- und Umweltverträglichkeit ihrer Handys. Sind sie sich der Gefahren einfach nicht bewusst – oder mangelt es an nachhaltigen Angeboten?

Claudia Langer, Geschäftsführerin der Utopia AG appelliert an die Unternehmen: “Ich sehe bei den TK-Anbietern und Mobilfunkherstellern viele Ansatzpunkte, um das noch wenig ausgeprägte Bewusstsein der Verbraucher für das Thema Nachhaltigkeit zu schaffen und zu schärfen. Handys sind Schatzkisten, wir müssen diese Schätze nur heben.”

Auf die Notwendigkeit sozial- und umweltverträglicher Mobiltelefone machte Dieter Janecek, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Landesverband Bayern aufmerksam: “Es ist höchste Zeit, dass die Debatte über die ökologische und soziale Verantwortung von Handys geführt wird. Mögliche Krebsgefahren durch den Mobilfunk, gigantische Elektroschrottberge in Afrika oder der verheerende Coltan-Abbau im Kongo sind nur einige Stichworte fehlender globaler Gerechtigkeit und mangelnder Nachhaltigkeit.”

Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender beim Germanwatch e.V. ergänzt: “Die großen Netzanbieter sind gefordert und werden von den unabhängigen NGOs dabei aufmerksam beobachtet, ihre soziale und ökologische Vorreiter- und Vorbildfunktion wahrzunehmen und darauf zu achten, was beim Lebenszyklus von der Wiege bis zur Bahre von Produkten berücksichtigt und transparent gemacht wird.”

Einigkeit herrschte darüber, dass die Telekommunikationsbranche dringend mehr Verantwortung übernehmen sollte. André Krause, CFO Telefónica Germany, informiert zu den ersten Maßnahmen:

“Mit mehr als 20 Millionen Kunden erreichen wir rein rechnerisch jeden vierten Bürger in Deutschland. Momentan stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung, aber wir wollen diesen großen Hebel nutzen und unsere Kunden zu einem zukunftsorientierten, nachhaltigen Handeln befähigen. Beispielsweise in dem wir sie darin unterstützen, informierte Kaufentscheidungen zu treffen”, so Krause. “Mit dem Eco Index, einem Bewertungssystem für die Nachhaltigkeit der Handys im Online-Shop von O2, schaffen wir eine entsprechende Transparenz.”

Michael Bültmann, Geschäftsführer der Nokia GmbH ergänzt: “Nokia reicht es nicht, wenige grüne Vorzeigeprodukte im Portfolio zu haben. Wir wollen, dass alle unsere Produkte nachhaltig sind. Deshalb setzten wir auf wieder verwertbare Materialien und vermeiden die Nutzung risikobehafteter Stoffe. Weil wir unseren Verbrauchern Transparenz bieten möchten, erstellen wir für jedes unserer Produkte ein Umweltprofil, das sich öffentlich im Internet von Nokia einsehen lässt.”

Eine Vielzahl der Teilnehmer aus dem Publikum forderte Anbieter und Hersteller auf, die Verbraucher aufzuklären und sie dafür zu sensibilisieren, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Dies bestätigt auch die zugehörige Umfrage auf www.diskutiere.de: Zwar beziehen 85 Prozent der Befragten (1.000 Teilnehmer) den Nachhaltigkeitsaspekt in die Kaufentscheidung ein, für nur fünf Prozent ist die Nachhaltigkeit von Mobiltelefonen allerdings ein zentraler Kaufaspekt. 69 Prozent der Konsumenten berücksichtigen hier hauptsächlich die Funktionalität.

Noch bis zum 11. Juli 2011 können alle Interessierten die Diskussion hier auf www.diskutiere.de fortführen.

Zusätzliche Informationen zu den Aktivitäten Klima und Umwelt von Telefónica Germany sind im Corporate Responsibility Report 2010 unter www.telefonica.de/verantwortung verfügbar.