Hauptsache schneller, smarter, schicker: Wie umweltfreundlich und sozial verantwortlich sind Smartphone, Tablet und Co?

Unter anderem an der wachsenden Größe der Green IT-Halle auf der alljährlich stattfindenden, weltgrößten IKT-Messe CeBIT ist erkennbar, dass nachhaltige IT-Geräte die Gemüter bewegen. An erster Stelle stehen beim Kauf elektronischer Geräte bei Verbrauchern zwar nach wie vor die Ausstattung, der Preis und das Design, denn anders als beispielsweise bei Lebensmitteln handelt es sich bei Smartphones, Tablets und Co. um Statusobjekte, mit denen ein gewisser Lifestyle (re)präsentiert wird. Doch zeichnet sich langsam aber stetig ein Umdenken in Richtung grüne IT auf Verbraucher- und Herstellerseite ab. Dies wird u.a. daran sichtbar, dass viele Hersteller anfangen, eine “grüne” Linie in ihr Sortiment aufzunehmen. Geworben wird mit geringeren Stromverbräuchen und einem sinkenden Anteil gefährlicher Chemikalien beim Bau der Geräte. Häufig besitzen diese Öko-Handys ein nachhaltiges Gehäuse, z.B. aus Recycling-Wasserflaschen und alten CDs oder aus biologisch abbaubaren Kunststoffen.

Doch damit wird leider nur eine kleine Spitze des Eisbergs der zahlreichen sozialen und Umweltprobleme, die mit der Produktion, der Nutzung und der Entsorgung von IKT-Geräten zusammenhängt, angegangen. Neben der Politik, die Lösungen für prekäre Arbeitsbedingungen u. a. beim Rohstoffabbau für und der Produktion von IT-Geräten finden muss, sind Hersteller gefragt, umfassende Umwelt- und Sozialstandards in der Vorkette zu etablieren. Um den Materialverbrauch zu reduzieren, ist beispielsweise eine Standardisierung von Bauteilen und Geräten gefordert. Dass dies machbar ist, zeigt die Einführung des universalen Handyladegerätes. Weitere Weichen müssen in Richtung einer technischen Aufrüstbarkeit und Reparierbarkeit der Produkte ebenso wie einer Verlängerung der Nutzungsdauer von Bauteilen und Geräten gestellt werden.

Abgesehen von der Tatsache, dass es zurzeit noch kein IT-Produkt gibt, dass rundum aus ökologisch und sozial unbedenklichen Rohstoffen besteht und dessen Produktion ebenfalls sozial gerecht und ökologisch verlief, ist es für Verbraucher äußerst schwierig, ein nachhaltigeres IT-Gerät von einem weniger nachhaltigen Gerät zu unterscheiden. Eine klare, zielgruppengerechte Information von Verbrauchern ist gefragt. Ein einheitliches Label, das von Herstellern auch genutzt wird, wäre hier ein Schritt in die richtige Richtung. Außerdem können speziell Händler durch Beratung und Information am Point of Sale einen wichtigen Beitrag leisten.

Natürlich tragen auch Verbraucher in dieser Frage Verantwortung. Da besonders die Herstellung bei Handys, Smartphones und Co. problematisch ist, ist es grundsätzlich angebracht, diese Geräte möglichst lange zu nutzen. Vor jedem Kauf sollte überlegt werden, ob ein neues Gerät überhaupt gebraucht wird und ob es nicht das alte Gerät oder gegebenenfalls ein gebrauchtes Gerät tut. Beim Neukauf helfen beispielsweise der “Greener Guide to Electronics” von Greenpeace, ein möglichst umweltfreundliches Produkt zu finden. Wenn Aufladegeräte bei Nichtnutzung aus der Steckdose gezogen werden, kann auch in der Nutzungsphase ein Beitrag zum Umweltschutz und für das eigene Portemonnaie geleistet werden. Und last but not least ist die richtige Entsorgung entscheidend. Über 70 Millionen Althandys schlummern in deutschen Schubladen, weil viele Menschen nicht wissen, was sie mit den an sich noch funktionierenden Altgeräten machen sollen. Auch hier sind Verbraucherinformation und attraktive, einfache Rückgabeangebote gefragt, damit wichtige Rohstoffe recycelt und Schadstoffe fachmännisch entsorgt werden können.