Fair Trade 2.0

Glovico.org ist eine Fair Trade-Sprachschule, in der Menschen aus Lateinamerika, Afrika und Asien Einzelsprachkurse via Skype in ihrer Muttersprache für den europäischen und amerikanischen Markt anbieten. Die Sprachstunden sind sehr günstig und starten bei 7€ für 55 Minuten. Neben den großen Sprachen wie Spanisch, Französisch, Englisch und Arabisch fokussiert Glovico in erster Linie auf kleinere Sprachen wie Tagalog, Wolof oder Swahili. Glovico ist ein Social Business, das sich selbst tragen, aber keine Profite erwirtschaften soll. Die soziale Mission, die damit verfolgt wird, ist das Generieren von Einkommen in Entwicklungs­ländern und die Förderung von interkulturellem Dialog. Glovico soll weltweiter Marktführer für regionale Sprachen in Entwicklungsländern werden. Dabei arbeiten wir eng mit verschiedenen Partnern zusammen (aber bleiben trotzdem immer eine eigenständige Organisation). Wir sehen das Internet als ein fantastisches Medium für Sozialunternehmer, für das man allerdings die Webaffinität eines “klassischen” Onlineunternehmers mitbringen sollte.

Kooperationen können Win-Win-Potentiale schaffen – Eigenständigkeit, Flexibilität und eigener Antrieb bleiben für Sozialunternehmer aber wichtig

Glovico wurde 2010 ins Leben gerufen und wird seitdem von verschiedenen Unternehmenspartnern in unterschiedlicher Form unterstützt. Skype selbst stellt immer wieder kostenlose Lizenzen seines Premiumangebots für unsere Lehrer bereit und hilft uns in der Pressearbeit. Die IT-Firma Silpion in Hamburg programmiert für uns zu vergünstigten Preisen und von verschiedenen anderen Dienstleistern werden wir ebenfalls kostengünstig unterstützt. Und mit diversen NGOs arbeiten wir beim Suchen von Lehrern zusammen. All diese Partnerschaften beruhen auf zwei Säulen: zum Einen geht es unseren Partnern darum, eine gute Sache zu unterstützen. Auf der anderen Seite ist es jedoch auch zentral, immer wieder nach Win-Win-Potential zu suchen. Für die Firma Skype sind wir beispielsweise ein schönes Anwendungsbeispiel ihrer Technologie, weswegen die Partnerschaft sehr tragfähig ist. Für die NGOs bietet Glovico eine tolle Möglichkeit, ihren lokalen Mitarbeitern oder Sprachtrainern eine weitere Einkommensquelle zu eröffnen. Trotz aller Partnerschaft ist es jedoch für Sozialunternehmer sehr wichtig, eigenständig zu bleiben, und nicht zu einem “Projekt” eines Großunternehmens zu werden, da gerade die Flexibiliät und die Energie der meist jungen Organisationen die Haupttriebfedern sind.

Webtechnologien bieten fantastische Möglichkeiten für gute Ideen

Wir setzen mit Glovico zentral auf digitale Technologie, um die bestehenden globalen Einkommensunterschiede anzugleichen. Und sehen gerade im Bereich der Webtechnologien noch viele weitere Möglichkeiten, kostengünstig Lösungen für soziale Missstände zu entwickeln. Dadurch, dass meist nur ein geringes Startkapital notwendig ist und pfiffige Lösungen viral hohe Sichtbarkeit entfalten können, ist das Internet ein fantastisches Medium für Sozialunternehmer. Was benötigt man dafür? Am Anfang steht natürlich immer eine gute Idee. Diese lässt sich online oft relativ kostengünstig überprüfen und validieren, was gerade in der Startphase viel Geld, Zeit und Energie sparen kann. Um diese Idee umzusetzen bedarf es jedoch weiterhin einer ganzen Reihe von Fähigkeiten: ganz wichtig bei Onlineideen sind natürlich Programmierkenntnisse. In unserem Fall haben wir dafür einen Partner, aber wir müssen trotzdem verstehen, was auf einem Server passiert und wie der Code einer Webanwendung grundsätzlich funktioniert. Mit Social Media sollte man sich auskennen und eine bestehende breite Onlinecommunity ist sicherlich auch ein Vorteil. Insgesamt ist unsere Erfahrung, dass sich die Kompetenzen, die man als Sozialunternehmer online braucht nicht von denen unterscheiden, die man als “klassischer” Onlineunternehmer auch bräuchte. In vielen Dingen sind die Herausforderungen, denen man sich täglich gegenüber stellen muss, sehr ähnlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl das Internet als auch Unternehmenspartnerschaften riesige Möglichkeiten für Sozialunternehmer bieten. Bei den Unternehmenspartnerschaften ist es wichtig, nach Win-Win-Potentialen zu suchen und sich nicht zu sehr in Abhängigkeitsverhältnisse zu begeben. In Bezug aufs Internet ist es zentral, sich zu vergewissern, dass man auf ein ausgewogenes Set an Kompetenzen zugreifen kann. Und dass man seine Idee mit verschiedensten Personen diskutiert und geprüft hat. Denn die gute Idee ist die Basis aller Sozialunternehmen.