Unternehmenskooperationen machen mehrfach Sinn

Als eine der Gründerinnen von betterplace.org, einem Sozialunternehmen, welches sich auf der einen Seite durch Dienstleistungen und Kooperationen mit “traditionellen” Unternehmen finanziert und auf der anderen Seite erforscht, wie sich Digitalisierung auf den sozialen Sektor auswirkt, beschäftigen mich die angesprochenen Themen täglich.

Zu Unternehmenskooperationen

Wir sehen uns in der Welt mit großen Herausforderungen konfrontiert, im sozialen Bereich ebenso wie bei der Umwelt. Die heutigen Krisen können nicht von einzelnen Akteuren allein bewältigt werden, sondern machen es erforderlich, dass möglichst viele Menschen und Institutionen gemeinsam an ihrer Lösung arbeiten.

Aus unserer Erfahrung bei betterplace.org und dem betterplace lab machen Kooperationen zwischen Sozialunternehmen und traditionellen Unternehmen mehrfach Sinn. Und zwar für beide Seiten:

Die meisten Sozialunternehmen fangen klein an und haben Schwierigkeiten zu skalieren, d.h. ihre Modelle in signifikantem Maßstab zu verbreiten. Dabei können ihnen große, etablierte Unternehmen helfen. Für betterplace.org bedeutete z.B. die Kooperation mit dem Bonuspunkteprogramm Payback (für die wir eine eigene Spendenwelt aufgebaut haben und betreuen), dass viele Millionen Payback-Karteninhaber auf betterplace aufmerksam werden und Hunderte von Projekten auf der Plattform bespenden.

Aber auch etablierte Unternehmen profitieren von dem frischen Wind, den Sozialunternehmen mit sich bringen: Da viele Innovationen disruptiv sind und bestehende Geschäftsmodelle und Machtbeziehungen aufbrechen, ist es nicht besonders verwunderlich, dass große Unternehmen oft nicht besonders innovativ sind: sie würden den Ast, auf dem sie sitzen absägen. Da sie aber ohne Innovation nicht überleben können, tun sie gut daran, Start-ups, die einen ersten Proof of concept vorzeigen können, zu integrieren. Start-ups, die im sozialen Sektor tätig sind, bringen für Unternehmen zudem einen Reputationsgewinn, da von der “guten” Marke auch etwas auf sie abfällt.

Im Gegensatz zu klassischen NGOs sind Sozialunternehmen als Kooppartner auch deshalb besonders gut geeignet, da sie auf unternehmerischem Wege versuchen soziale Probleme zu lösen. Von unseren Arbeitspraktiken, z.B. dem Anspruch uns aus eigener Kraft zu finanzieren, Geschäftsmodelle austesten, Finanzierungspläne aufstellen, Performance messen, sich benchmarken etc. hat ein Hybrid wie die gemeinnützige Aktiengesellschaft, die betterplace.org betreibt, zahlreiche Gemeinsamkeiten mit etablierten Unternehmen. Das erleichtert die Kommunikation zwischen den Partnern.

Digitales Arbeiten

Um effizient und wirksam arbeiten zu können, müssen soziale Organisationen digitale Medien beherrschen. Dazu gehören kostenlose Organisationswerkzeuge wie Basecamp oder Highrise, Kommunikationskanäle wie Google Hangout oder GoToMeeting, kollaborative Plattformen wie google docs, aber auch Werkzeuge wie Storify, die digitales Geschichtenerzählen ermöglichen. Um Aufmerksamkeit für die sozialen Themen zu erlangen, Online Fundraising zu betreiben, oder Netzwerke aufzubauen, sind Soziale Medien für viele Sozialunternehmer unumgänglich.

Spannend finde ich auch, wie Hilfsorganisationen zunehmend per Internet oder Mobiltelefon mit ihren Begünstigten in Kontakt treten und Echtzeit-Monitoring ihrer Dienstleistungen aufsetzen. Für unseren betterplace lab Trendreport haben wir bislang schon über 16 Trends und 370 digital-soziale Innovationen recherchiert: die Fülle ist überwältigend, aber kaum jemand im sozialen Sektor hierzulande kennt diese spannenden Anwendungsmöglichkeiten.